Ärzte Zeitung online, 02.07.2010

Brustkrebsexperten fordern bessere Vergütung ihrer Behandlungszentren

HAMBURG (ugr). Mangelhafte finanzielle Zuwendungen der Brustkrebszentren durch die Kostenträger haben Experten der Deutschen Gesellschaft für Senologie bei ihrer Jahrestagung in Hamburg beklagt.

Brustkrebsexperten fordern bessere Vergütung ihrer Behandlungszentren

Gute Mammadiagnostik ist aufwändig - und muss angemessen bezahlt werden, fordern Experten.

© SteffenSchellhorn/Imago

Weder der aufwändige Zertifizierungsprozess, dem sich jedes akkreditierte Zentrum unterziehen muss, noch der erhöhte Zeitaufwand, zum Beispiel durch prä- und postoperative interdisziplinäre Tumorkonferenzen, werde erstattet, sagte Professor Walter Jonat aus Kiel bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des Kongresses am Donnerstag.

"Die Etablierung zertifizierter Brustkrebszentren ist eine Erfolgsgeschichte. 70 bis 80 Prozent aller primär erkrankten Frauen werden in einer der 250 Einrichtungen bundesweit behandelt", berichtete Professor Diethelm Wallwiener, 1. Vorsitzender der Senologie-Fachgesellschaft. Vor zehn Jahren hätten die Vertreter der gesetzlichen Krankenversicherungen die Medizin aufgefordert, solche Zentren einzurichten, und versprochen, diese dann entsprechend zu vergüten. "Das ist jedoch nicht passiert, die Kassenvertreter haben ihr Wort nicht gehalten", so Wallwiener. 

Jonat bezifferte die Kosten für den Zertifizierungsprozess auf 30 000 Euro pro Klinik. In der täglichen Praxis schlage der Zeitaufwand, der sich aufgrund der Interdisziplinarität bei Diagnose und Therapie pro Patientin verfünffacht habe, erheblich zu Buche. "Der Aufwand, den wir betreiben, muss auch bezahlt werden."

Dass dieser Einsatz gerechtfertigt ist, steht für Jonat außer Frage: "Wir können beweisen, dass die Frauen länger und besser leben, wenn sie in einem Brustkrebszentrum behandelt werden." Zwar gebe es noch keine Langzeitdaten, die die reduzierten Mortalitätsraten eindeutig nachweisen, doch wisse man auch aus internationalen Untersuchungen, dass sich die Heilungschancen in zertifizierten Zentren verbessern. Vertreter der Kostenträger wurden nach Angaben von Wallwiener zum Kongress der Senologen eingeladen - sie hätten jedoch alle abgesagt.

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