Ärzte Zeitung online, 02.07.2010

Kinder kriegen trotz Brustkrebs!

HAMBURG (ugr). Brustkrebs betrifft nicht nur ältere Frauen: Jede vierte Erkrankung tritt in einem Alter auf, in dem Frauen noch einen Kinderwunsch haben können. Häufiger als vielfach vermutet fallen Schwangerschaft und Krebserkrankung tatsächlich zusammen.

Kinder kriegen trotz Brustkrebs!

Auch prägnante Frauen, die kurz vor der Entbindung stehen, können ein Mamma-Ca operativ therapieren lassen.

© Irina Fischer / fotolia.com

Etwa jede 3000. Schwangere in Deutschland erkrankt an Brustkrebs, hat Professor Ute-Susann Albert von der Universitätsklinik Marburg beim Senologie-Kongress in Hamburg berichtet. Die objektiven Heilungschancen werden durch die Schwangerschaft aber nicht beeinträchtigt. Auch hier gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser. Die Diagnostik ist eingeschränkt. Eine Mammografie sollte wegen der Strahlenbelastung des Fötus nicht an erster Stelle stehen; Albert empfiehlt zunächst die Sonografie. Die operative Therapie richtet sich nach der Prognose und nicht nach der Schwangerschaft. Die anstehende Geburt sei keine Kontraindikation für eine Operation, sagte die Gynäkologin.

Auch gegen eine zytostatische Behandlung schwangerer Frauen spreche grundsätzlich nichts. Anthrazykline könnten ohne größere Risiken für das Ungeborene eingesetzt werden, mit Taxanen warte man in aller Regel bis nach der Entbindung, so Albert. Insgesamt sei die Datenlage jedoch noch dünn, die Therapie orientiere sich am Einzelfall, etablierte Behandlungsschemata gebe es nicht.

Schwangere mit Brustkrebs müssten intensiv über den möglichen Verlauf von Schwangerschaft und Erkrankung informiert werden. Dass dies nicht immer der Fall sei, zeige das Beispiel einer Patientin, die in der 26. Schwangerschaftswoche auf einen Abbruch drängte, weil sie Schaden für ihr Kind befürchtete. Diese Angst sei in aller Regel unbegründet, so Albert: "Eine ärztliche Empfehlung zum Schwangerschaftsabbruch wegen einer Brustkrebserkrankung gibt es nicht."

Auch nach überstandener Brustkrebserkrankung können Frauen schwanger werden. Bei bestehendem Kinderwunsch können vor Beginn einer Chemo- oder Hormontherapie befruchtete oder unbefruchtete Eizellen oder Eierstockgewebe entnommen und kryokonserviert werden. Ob eine Schwangerschaft, vor allem bei hormonabhängigen Tumoren, das Rezidivrisiko erhöht, sei heute noch unklar. Albert: "Derzeit wird ein Register initiiert, in dem wir der Frage nachgehen wollen, ob sich die Prognose durch eine Schwangerschaft nach einer Krebserkrankung verändert."

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