Ärzte Zeitung online, 17.12.2010

Brustkrebs: Entzündungen sind die Voraussetzung für die Entstehung

PHILADELPHIA (ple). Was lange vermutet wurde, haben US-Wissenschaftler jetzt offenbar belegt: Entzündungsprozesse haben bei der Entstehung von Brustkrebs einen maßgeblichen Anteil.

US-Forscher glauben aufgrund der Ergebnisse ihrer tierexperimentellen Untersuchungen, die lang gehegte Vermutung bestätigt zu haben, dass Entzündungen der Entstehung von Brustkrebs vorausgehen.

Ihre Untersuchungen zeigten erstmals, dass durch Inaktivierung von Entzündungsvorgängen im Brustepithel, die über den Zellkern-Faktor NFkB laufen, die Entstehung und das Fortschreiten von Brustkrebserkrankungen verhindert werden kann, wie Dr. Richard G. Pestell sagt, Leiter des Kimmel Cancer Centers in Philadelphia im US-Staat Pennsylvania (Cancer Res 2010; 70: 10464).

Nach Ansicht von Dr. Michael Lisanti, Mitautor der Studie, haben die neuen Erkenntnisse auch klinische Implikationen. Denn jetzt könnten Strategien für eine gezielte Beeinflussung von Entzündungsvorgängen entwickelt werden, die ausschließlich im Bereich der Brust auftreten.

Bisher war es nicht möglich, die Bedeutung des Faktors NFkB zu entschlüsseln, weil es ein für die Embryonalentwicklung unerlässlicher Mediator ist: Wird das Gen für den Faktor zur Herstellung transgener Tiere entfernt, sterben sie.

Deshalb haben die US-Wissenschaftler mit Hilfe gentechnischer Methoden Mäuse gezüchtet, bei denen sich die Vorgänge bei der Entstehung von Entzündungen in gesundem Brustgewebe steuern lassen und die im Laufe des Lebens Brustkrebs entwickeln.

Durch gentechnische Methoden ließ sich gezielt der Faktor NFkB in verschiedenen Zellarten in dem Gewebe inaktivieren. Eine so verhinderte Entzündung blockierte auch die Entstehung von Brustkrebs.

Das gentechnische Verfahren könne auch für die Erforschung von NFkB etwa bei der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen oder von Herzkrankheiten angewandt werden.

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