Ärzte Zeitung online, 18.04.2011

Überraschende Ähnlichkeit in Krebszellen bei Hunden und Menschen

NEU-ISENBURG (ths). Neue Hoffnung im Kampf gegen Krebs: Wie eine österreichische Studie ergab, ist der Rezeptor für den Tumormarker carcinoembryonales Antigen (CEA) bei Menschen und Hunden fast identisch. Dadurch könnten neue Therapeutika jetzt schneller als üblich für beide Spezies erforscht werden.

Überraschende Ähnlichkeit in Krebszellen bei Hunden und Menschen

Eines ist bei ihnen sehr ähnlich: Der CEA-Rezeptor.

© dpa

In einer Kooperationsstudie hatten die MedUni Wien und die Vetmeduni Vienna Brustkrebszellen von Menschen und Milchdrüsenkrebszellen von Hunden untersucht und dabei besonders den Tumormarker CEA verglichen.

Bislang war bekannt, dass CEA bei Tieren und Menschen sehr unterschiedlich aufgebaut ist, mit einem komplexen System aus unterschiedlichen Molekülfamilien.

Evolutionär sehr altes Molekül

Die österreichischen Wissenschaftler fanden nun heraus, dass der CEA-Rezeptor in Krebszellen bei Hunden und Menschen annähernd gleich ist.

Das Forscherteam unter der Leitung von Professor Erika Jensen-Jarolim erklärt diesen Umstand damit, dass es sich um ein evolutionär sehr altes Molekül handele, das durch seine biologische Wichtigkeit zwischen den untersuchten Spezies nahezu unverändert geblieben sei.

Die Erkenntnis der österreichischen Studie könnte dazu genutzt werden, neue Ansätze in der Krebstherapie sowohl bei Menschen als auch bei Hunden zu entwickeln.

Hoffnung auf schnellere Forschungsergebnisse

Studienleiterin Jensen-Jarolim sieht gute Perspektiven: "Da Hunde eine kürzere Lebenszeit haben als Menschen, laufen die entsprechenden Zyklen schneller ab. Das bedeutet, es gibt auch rascher Forschungsergebnisse."

Jensen-Jarolim, Leiterin des Instituts für Pathophysiologie & Allergieforschung (IPA) an der MedUni Wien und stellvertretende Universitätsratsvorsitzende der Vetmeduni Vienna, hofft auf einen positiven Effekt für beide - Mensch und Hund: "Durch vergleichende Forschung zwischen den Spezies könnte es gelingen, wesentlich rascher neue Generationen von Diagnostika und Therapeutika zu entwickeln, die für Mensch und Tier anwendbar sind."

Dazu müsse aber erst die Frage gelöst werden, welche Moleküle für diagnostische und therapeutische Zwecke sich an diesen Rezeptor binden könnten, geben die Wissenschaftler zu bedenken.

Originalstudie "Phylogenetic discordance of human and canine carcinoembryonic antigen (CEA, CEACAM) families, but striking identity of the CEA receptors will impact comparative oncology studies"

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