Ärzte Zeitung, 14.03.2014

Mammakarzinom

Junge Frauen überschätzen kontralaterale Mastektomie

NEW YORK. Viele Frauen mit Brustkrebs, die sich prophylaktisch die gesunde kontralaterale Brust abnehmen lassen, überschätzen das Tumorrisiko ohne Op, obwohl vier von fünf mit ihrer Entscheidung zufrieden sind.

Weil die Zahl der prophylaktischen Mastektomien in den USA seit 1990 drastisch gestiegen ist, befragten Onkologen um Dr. Shoshana M. Rosenberg vom Memorial Sloan-Kettering Institut in New York 123 Brustkrebspatientinnen unter 40 mit prophylaktischer Op (Ann Intern Med. 2013; 159 (6):373-381).

98% wollten das Tumorrisiko verringern, 94% ihre Lebensqualität verbessern, 95% ihren Seelenfrieden, 85% eine Metastasierung verhindern, 87% befürchteten ein erhöhtes Risiko.

Die meisten Frauen, nämlich 80%, waren mit ihrer Entscheidung für die prophylaktische kontralaterale Mastektomie sehr zufrieden. 90% gaben sogar an, sie würden sich wieder für den Eingriff entscheiden.

Ärzte waren wichtigste Informationsquelle

Fast alle (97%) glaubten, über Nutzen und Risiken der Therapieoptionen nach der Diagnose eines unilateralen Mammakarzinoms Bescheid zu wissen.

 93% meinten, mit der prophylaktischen Entfernung der anderen Brust die richtige Entscheidung getroffen zu haben. In der Befragung stellte sich auch heraus, dass Ärzte die wichtigste Informationsquelle für die Patientinnen waren. Für jede zweite war das der Fall.

Das ist allerdings nur die eine Seite der Medaille. Denn nur ein Drittel der Befragten gab an, dass es für sie sehr wichtig oder wichtig war, den Empfehlungen ihres Arztes dann tatsächlich auch zu folgen. Nur jede zweite Frau wies darauf hin, dass ihr Arzt Gründe gegen eine prophylaktische Mastektomie mir ihr erörtert habe.

Das könnte nach Ansicht von Rosenberg und ihren Kollegen ein Hinweis darauf sein, dass viele Frauen von ihren Ärzten nicht auf die Tatsache hingewiesen werden, dass das Risiko für eine Erkrankung der kontralateralen Brust vergleichsweise niedrig ist.

Frauen ohne Veränderungen in den BRCA-Genen überschätzen offenbar das Risiko, nach der Diagnose eines unilateralen Karzinoms auch maligne Veränderungen in der anderen Brust zu entwickeln. Sie glaubten, es erkrankten zehn von 100 binnen fünf Jahren an kontralateralem Krebs, es sind nur 2% bis 4%. (ple)

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