Ärzte Zeitung, 19.05.2015

Kommentar zu Brustkrebs

Das EEG des Chemohirns

Von Robert Bublak

Chemobrain, Chemogehirn, Chemonebel - das Phänomen hat einige Namen. Viele Krebspatienten bezeichnen damit die Einbußen an geistiger Leistungsfähigkeit, mit denen sie nach einer Chemotherapie zu kämpfen haben.

Kanadische Forscher haben nun das EEG des Chemohirns abgeleitet. Die subjektive Wahrnehmung der Patienten lässt sich darin objektiv nachlesen.

Übersetzt man die Kurven vom Elektroenzephalografischen ins Deutsche, so steht dort: Chemotherapierte Krebspatienten neigen zur Introspektion und können sich schlecht längere Zeit auf externe Aufgaben konzentrieren.

Das ist ein wichtiger Befund. Man könnte ihn aber vermutlich auch ohne EEG erheben, indem man die Patienten einfach fragt.

Immerhin werden deren Empfindungen durch die Studienergebnisse objektiv bestätigt: Das Phänomen Chemobrain existiert nicht nur in der Einbildung. Offen bleibt aber, ob die kognitiven Defizite Folgen der Chemotherapie sind.

Oder ob die Neigung, die Gedanken nach innen zu wenden, auf die Sorgen zurückgeht, die eine Krebskrankheit und deren Behandlung mit sich bringen.

Was also hat Priorität: Neuroprotektion unter Chemotherapie oder Hilfe bei der Krankheitsbewältigung? Wenn weitere EEG dazu beitragen, diese Frage zu klären, nur zu.

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