Ärzte Zeitung, 15.12.2016
 

Neoadjuvanz bei Brustkrebs

Mehr Komplettremissionen

Von Robert Bublak

Immer mehr Frauen mit frühem Brustkrebs werden neoadjuvant behandelt. An der Uniklinik Heidelberg ist die Rate der pathologischen Komplettremissionen nach einer solchen Therapie in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen.

Neoadjuvante Therapie punktet

Laut einer Studie der Uniklinik Heidelberg ist die Rate von Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium, die eine adjuvante Chemotherapie erhielten, von 84 Prozent im Jahr 2008 auf 35 Prozent im Jahr 2014 gesunken.

© Friso Gentsch / dpa

HEIDELBERG. Das chemotherapeutische Vorgehen bei Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium, also ohne Fernmetastasen, hat sich in der vergangenen Dekade deutlich verändert. Laut Resultaten einer Studie am Brustzentrum der Universitätsklinik Heidelberg, geleitet von André Hennigs, ist die Rate von Frauen, die eine Chemotherapie erhielten, von 48 Prozent im Jahr 2003 auf 34 Prozent im Jahr 2014 gesunken (Breast Cancer Res Treat 2016; 160: 491– 499).

65 Prozent der Behandlungen fanden als neoadjuvante, 35 Prozent als adjuvante Therapie statt. 2008 hatte die Adjuvanz noch einen Anteil von 84 Prozent. Der Trend weg von der adjuvanten und hin zur neoadjuvanten Chemotherapie war unabhängig vom Subtyp der Mammakarzinome festzustellen.

Erhöhter Anteil von Komplettremissionen

Die Verteilung der pathohistologisch gesicherten (p)T-Stadien bei den Patientinnen, die eine adjuvante Behandlung erhielten, blieb über den untersuchten Zeitraum konstant. Anders bei den Frauen mit neoadjuvanter Behandlung (y): Ein postoperativ diagnostiziertes Stadium ypT0 wiesen 16 Prozent der Patientinnen in den Jahren 2003/2004 und 37 Prozent der Frauen in den Jahren 2013/2014 auf.

Der Anteil der ypTis-Tumoren, also der Tumoren in situ, stieg von 3 auf 6 Prozent. Eine pathologische Komplettremission im Sinne der strengsten Definition, ypT0ypN0, erreichten 12 versus 35 Prozent (2003 versus 2014).

Am deutlichsten machte sich der Effekt beim HER2-positiven Subtyp bemerkbar, wo sich der Anteil von Komplettremissionen nach neoadjuvanter Chemotherapie von 24 auf 68 Prozent erhöhte. Ein Anstieg war auch bei den Hormonrezeptor-positiven/HER2-negativen Karzinomen zu verzeichnen, nämlich von 4 auf 23 Prozent. Bei den triple-negativen Tumoren ließ sich hingegen kein klarer Trend erkennen.

Assoziation mit Gesamtüberleben

Ihre im deutschen Vergleich günstigen Zahlen (die Rate an neoadjuvanten Behandlungen liegt in Heidelberg rund zwei- bis viermal höher als an anderen Einrichtungen) führen Hennigs und Kollegen nicht auf veränderte Therapieregime zurück. Schon 2003 war die neoadjuvante Therapie von Brustkrebs Anthrazyklin- und Taxan-basiert gewesen, und daran hat sich bis 2014 nichts geändert.

Allenfalls die Hinzunahme von Trastuzumab beziehungsweise Pertuzumab bei HER2-positiven Tumoren könne einen positiven Einfluss gehabt haben. Vielmehr sehen die Forscher in den verbesserten Ergebnissen einen Spiegel der Lernkurve bei der Auswahl von geeigneten Patientinnen für die neoadjuvante Therapie.

Pathologisch gesicherte Komplettremissionen seien mit einem verbesserten krankheitsfreien und Gesamtüberleben assoziiert. Besonders gelte dies für die aggressiven Subtypen des Mammakarzinoms, wie Hormonrezeptor-positive G3-Tumoren, HER2-positive und triple-negative Karzinome. Zudem betonen die Autoren das strenge Qualitätsmanagement und dessen Kontrolle am zertifizierten Heidelberger Universitätsbrustzentrum.

Studienergebnisse:

Die Verteilung der pT-Stadien bei Patientinnen mit adjuvanter Behandlung blieb über den untersuchten Zeitraum konstant.

Unter neoadjuvanter Therapie stieg der Anteil der Patientinnen mit pathologischer Komplettremission von 12 Prozent im Jahr 2003 auf 35 Prozent 2014.

Beim HER2-positiven Subtyp erhöhte sich der Anteil von Komplettremissionen nach Neoadjuvanz von 24 auf 68 Prozent .

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »