Ärzte Zeitung, 21.12.2016

Mamma-Screening

Weniger Frauen nutzen Früherkennung

5,3 Millionen Frauen waren eingeladen, nur 2,9 Millionen kamen: Im Jahr 2014 fällt die Bilanz des Mammographie-Screening zwiespältig aus. Die Qualität ist hoch, die Teilnahmerate sinkt.

Von Ilse Schlingensiepen

Weniger Frauen nutzen Früherkennung

In 33.000 Fällen ist im Jahr 2014 nach dem Screening eine Biopsie erforderlich gewesen.

© Francois Destoc / Maxppp / dpa

KÖLN. Beim Mammographie-Screening ist die Teilnahmerate im Jahr 2014 erstmals leicht gesunken. 54,2 Prozent der eingeladenen Frauen nahmen an der Früherkennungsuntersuchung teil, im Jahr 2013 waren es 56,6 Prozent und 2012 56,3 Prozent.

Es ist aber noch zu früh, um aus dem Rückgang einen Trend ablesen zu können, sagt Dr. Vanessa Kääb-Sanyal, Leiterin der Geschäftsstelle der Kooperationsgemeinschaft Mammographie.

Das Mammographie-Screening ist 2002 eingeführt worden und wird seit 2009 flächendeckend umgesetzt. Die Teilnahmerate sei über die Jahre stabil geblieben oder leicht gestiegen, jetzt sei sie wieder auf dem Ausgangsniveau, sagt Kääb-Sanyal der "Ärzte Zeitung".

"Wie es sich weiterentwickelt, lässt sich noch nicht sagen." Sie vermutet, dass die Verweigerung der Rezertifizierung für die Screening-Einheit Oberhausen/Essen/Mülheim im Frühjahr 2014 eine Rolle gespielt haben könnte. "Der Fall hat bundesweit für viel Wirbel gesorgt."

Ausgeprägte regionale Unterschiede

Bei den Teilnahmeraten gibt es regional deutliche Unterschiede. Nach dem gerade veröffentlichten "Jahresbericht Evaluation 2014" der Kooperationsgemeinschaft beträgt die Spanne 47 Prozent bis 64 Prozent. "Die kleinsten Teilnahmeraten wurden in Berlin und Bayern gemessen, die höchsten Werte erreichten Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern", heißt es dort.

Die in den EU-Leitlinien empfohlene Rate von 70 Prozent wird in Deutschland klar verfehlt. Frankreich kommt nach Angaben von Kääb-Sanyal auf eine ähnliche Rate. In staatlich organisierten Gesundheitssystemen wie in Norwegen oder den Niederlanden liegen die Werte höher, in Südeuropa niedriger. "Das wir in unserem Gesundheitswesen auf eine Quote von 70 Prozent kommen, ist eher unwahrscheinlich", sagt sie.

2014 erhielten in Deutschland fast 5,3 Millionen Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren eine Einladung zum Mammographie-Screening, knapp 2,9 Millionen kamen zu der Untersuchung. 124.000 Frauen wurden zur Abklärung von Auffälligkeiten wiedereinbestellt, das sind durchschnittlich 4,3 Prozent. 98 Prozent der Frauen nahmen das Angebot an.

Krebsdiagnose bei sechs von 1000

Bei 33.000 war eine Gewebeentnahme zur Klärung erforderlich. Bei 16.632 Frauen bestätigte sich der Verdacht auf Brustkrebs. "Im Bundesschnitt erhielten sechs von 1000 untersuchten Frauen die Diagnose Brustkrebs", heißt es. 3,7 Prozent erhielten einen falsch-positiven Befund.

Von den 16.632 durch das Screening entdeckten Tumoren waren 3232 In-situ-Karzinome und 13.061 invasive. In 77 Prozent der Fälle war der Tumor nicht größer als 20 Millimeter, 75 Prozent gab es keinen Befall der Lymphknoten.

"Wir entdecken viele kleine Karzinome", betont Kääb-Sanyal. Die Frauen haben in diesen Fällen meist eine bessere Prognose. Der Anteil der entdeckten Karzinome in prognostisch ungünstigen Stadien betrug 2014 insgesamt 21 Prozent. Er ist rückläufig. "Das ist ein großer Erfolg für uns."

Die Leiterin verweist auf aktuelle Untersuchungen unter anderem des Robert Koch Instituts, nach denen die Abnahme fortgeschrittener Brustkrebsstadien in der Bevölkerung ein Hinweis auf einen Erfolg des Screening-Programms sein könnte. "Der Rückgang der prognostisch ungünstigen Stadien ist ein erster Schritt hin zur Reduktion der Mortalität", sagt sie.

Auch der jüngste Qualitätsbericht unterstreicht nach Ansicht von Kääb-Sanyal, dass die Screenings auf einem konstant hohen Niveau laufen. So gebe es nur wenige Aufnahmen, die wegen schlechter Qualität wiederholt werden müssen. 2014 betrug ihre Rate 0,8 Prozent. Die Quote unzureichender Biopsien lag bei 1,3 Prozent.

"Wir haben eine sehr hohe Qualität bei der Durchführung der Untersuchung und den folgenden Diagnoseschritten."

2014 hat die Kooperationsgemeinschaft erstmals die Wartezeiten im Mammographie-Screening ermitteln können. 94 Prozent der Frauen haben das Ergebnis innerhalb von sieben Werktagen nach der Untersuchung bekommen. 92 Prozent der Frauen mit einem abklärungsbedürftigen Befund erhielten innerhalb von einer Woche einen Termin.

Zentrale Ergebnisse im Jahr 2014

Erstmalig ist seit der vollständigen Umsetzung im Jahr 2009 die Teilnahmerate gesunken.

Von den 2,9 Millionen untersuchten Frauen hat ein Fünftel zum ersten Mal an der Früherkennung teilgenommen.

Rund 124.000 Frauen wurden nach dem Screening zur Abklärung von Auffälligkeiten eingeladen.

Die Stadienverteilung der beim Screening entdeckten Karzinome erfüllt wie in den Jahren zuvor alle Vorgaben von EU-Leitlinien.

[26.12.2016, 23:20:07]
Thomas Georg Schätzler 
@ "MultipleChoicePremium Akademiker"
Ihr anonymer Kommentar geht in der Sache fehl: Sie benutzen die Ihnen wie selbstverständlich zugestandene Kommentarfunktion nur für ungerechtfertigt pauschalierende, negative und diskriminierende Äußerungen gegenüber meinen Kolleginnen! Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[22.12.2016, 16:21:33]
MultipleChoicePremium Akademiker  
Ärztinnen machen es vor
Hormone mampfen, um dem Elitepartnerweltbild zu entsprechen und den Patientinnen zur Mammographie zu raten, während man selbst nicht hin geht.
Diese Taktik fliegt langsam auf. zum Beitrag »

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