Ärzte Zeitung online, 06.10.2017
 

Mamma-Ca

Vorteil durch brusterhaltende Therapie bestätigt

Vielen Frauen mit Brustkrebs kann eine Mastektomie erspart werden. Dies bestätigt eine Studie mit Patientinnen mit Mamma-Ca im Frühstadium. Bei einem Teil der Patientinnen war sowohl das krebsspezifische als auch das Gesamtüberleben länger als bei Frauen nach Mastektomie.

Von Peter Leiner

Vorteil durch brusterhaltende Therapie bestätigt

Von einer brusterhaltenden Therapie profitierten auch Frauen mit Mamma-Ca im Stadium T1-2, NO-1, die über 50 Jahre alt sind.

© ArTo / stock.adobe.com

ROTTERDAM. In mehreren Beobachtungsstudien konnte bereits der Vorteil der brusterhaltenden Strategie bei Patientinnen mit einem Mammakarzinom festgestellt werden. In einer aktuellen Studie von Ärzten um Dr. Mirelle Lagendijk vom Erasmus-Krebsinstitut in Rotterdam mit fast 130.000 Patientinnen sollte nun der Nutzen der brusterhaltenden Therapie sowohl beim krebsspezifischen als auch beim Gesamtüberleben untersucht werden (Int J Cancer 2017; online 7. September).

Die Teilnehmerinnen hatten ein primäres Mammakarzinom im Stadium T1–2, N0–2, M0, diagnostiziert zwischen 1999 und 2015. Sie erfüllten die Kriterien für eine brusterhaltende Therapie und für eine Mastektomie. Als primären Studienendpunkt wählten die Ärzte das krebsspezifische Überleben, als sekundären Endpunkt das Gesamtüberleben.

Zwei Zeiträume untersucht

Der Fokus lag auf zwei Zeiträumen: 1999–2005 (n = 60.381) und 2006–2015 (n = 69.311). Der erste Zeitraum wurde gewählt, um das Langzeitergebnis der beiden Therapieoptionen zu analysieren. Der zweite Zeitraum spiegelt die aktuelle Vorgehensweise in der Versorgung von Brustkrebspatientinnen in den Niederlanden wider.

Das mediane Follow-up lag in der Gruppe der Frauen mit brusterhaltender Therapie bei zwölf, in der Gruppe mit Mastektomie bei 11,2 Jahren. Wie die Onkologen berichten, wurden im ersten Zeitraum 52 Prozent der Frauen durch eine brusterhaltende Therapie versorgt, im zweiten Zeitraum 60 Prozent.

Von den zwischen 1999 und 2005 diagnostizierten Frauen, die brusterhaltend behandelt wurden, starben insgesamt 28,4 Prozent, jede Zweite (50,7 Prozent) an den Folgen der Brustkrebserkrankung. In der Gruppe mit Mastektomie lag die Sterberate bei 48,2 Prozent, bei mehr als 52 Prozent der Gestorbenen war die Krebserkrankung die Ursache. In der zweiten Untersuchungskohorte starben nach brusterhaltender Therapie insgesamt 8,9 Prozent; 49,7 Prozent von ihnen an den Krebsfolgen. Deutlich mehr Patientinnen starben nach einer Mastektomie (19,8 Prozent), die krebsspezifische Sterberate betrug in dieser Gruppe 48,4 Prozent.

Aus der statistischen Analyse geht hervor, dass im ersten Untersuchungszeitraum die Wahrscheinlichkeit für ein krebsspezifisches Überleben durch eine brusterhaltende Versorgung im Vergleich zur Mastektomie um 28 Prozent höher ist (Hazard Ratio [HR]: 0,72; 95%-Konfidenzintervall: 0,69–0,76; p < 0,0001), das Gesamtüberleben um 26 Prozent (HR: 0,74; 95%-Konfidenzintervall: 0,71–0,76; p < 0,0001), und zwar bei Patientinnen mit Tumoren im Stadium T1–2, N0–1 sowie T1–2, N2.

Ähnliche Ergebnisse waren in der Gruppe der Frauen mit Brustkrebs im Stadium T1–2, N0–2 zu verzeichnen. Kein Vorteil wurde bei Frauen unter 40 mit Tumoren im Stadium T1–2, N0–1 beobachtet.

Die brusterhaltende Strategie schnitt insgesamt betrachtet auch im zweiten Studienzeitraum bei beiden Überlebensparametern besser als die Mastektomie ab (HR: 0,75; 95%-Konfidenzintervall: 0,70–0,80; p < 0,0001 bzw. HR: 0,67; 95%-Konfidenzintervall: 0,64–0,71; p < 0,0001), und zwar bei Tumoren im Stadium T1–2, N0–1, nicht dagegen bei Tumoren T1–2, N1. Bei der Berechnung wurden mehrere Faktoren, die das Ergebnis verzerren könnten, berücksichtigt, etwa Alter, Tumorstadium, Jahr der Diagnose und Lymphknotenstatus.

Alter ist kein Argument

Aus einer Subgruppenanalyse geht nach Angaben von Lagendijk und ihren Kollegen hervor, dass Frauen mit einem Mammakarzinom im Stadium T1–2, N0–1 selbst dann mehr von einer brusterhaltenden Therapie plus Bestrahlung als von einer Mastektomie profitieren, wenn sie über 50 sind, keine systemische Therapie erhalten und eine zusätzliche Erkrankung zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose haben. Nach Ansicht der Studienautoren kann somit das Alter kein Argument mehr dafür sein, die Mastektomie einer brusterhaltenden Therapie vorzuziehen. Nur bei einem zu erwartenden schlechteren ästhetischen Ergebnis oder wenn eine Bestrahlung kontraindiziert sei, könne die Mastektomie die bessere Therapiestrategie sein, so Lagendijk und ihre Kollegen.

28% höher war die Wahrscheinlichkeit für ein krebsspezifisches Überleben durch eine brusterhaltende Versorgung im Vergleich zur Mastektomie.

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