Ärzte Zeitung online, 14.10.2016

Gen-Analyse

Neue Hoffnung für die Therapie bei Ösophagus-Ca

Die Genom-Analyse könnte einen Weg zu neuen Therapien des Ösophaguskarzinoms weisen.

BERLIN. Forscher haben mit Erbgut-Analysen eine Reihe von genetischen Merkmalen bei Adenokarzinomen des Ösophagus entdeckt, die Angriffspunkte für die Chemotherapie sein könnten, teilt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) mit.

Die Studienergebnisse könnten dazu beitragen, wirksame Behandlungsstrategien für das Ösophagus-Ca zu entwickeln (Nat Genet 2016; 48: 1131–1141).

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 7000 Menschen am Ösophagus-Ca, davon etwa die Hälfte am Adenokarzinom. Nur knapp ein Viertel überlebt die Krankheit. "Die Erkrankungszahlen sind in den letzten Jahrzehnten um mehr als das Vierfache gestiegen", wird DGVS-Experte Professor Rainer Porschen in der Mitteilung zitiert.

Adenokarzinome wachsen bekanntlich schnell. Eine Op komme oft zu spät, so Porschen, der am Klinikum Bremen-Ost arbeitet. Viele Patienten sterben innerhalb eines Jahres. Die Effektivität aktueller palliativer Chemotherapien sollte daher verbessert werden.

Erbgut-Analyse bei 129 Karzinomen

Die Forscher um Rebecca Fitzgerald von der Uni Cambridge haben nun das gesamte Erbgut von jeweils 129 Adenokarzinomen untersucht. Im Genom jedes Tumors fanden sie eine Vielzahl genetischer Veränderungen, heißt es weiter.

Diese erklärten nicht nur, warum die Tumore sich so rasch ausbreiten, sondern auch, warum moderne Medikamente wie Tyrosinkinase-Hemmer den Tumor nicht bremsen können: "Tyrosinkinase-Hemmer schalten gezielt bestimmte Treibergene aus", so Porschen, der auch Koordinator der S3-Leitlinie "Ösophaguskarzinom" ist.

"Adenokarzinome verfügen aber meist über mehrere Treibergene. Um erfolgreich zu sein, müssten wir mehrere Tyrosinkinase-Hemmer einsetzen und zudem bei jedem Patienten unterschiedliche. Eine Gen-Analyse könnte zeigen, welche Medikamente zu kombinieren wären."

Die Forscher fanden zudem drei genetische Typen des Ösophagus-Adenokarzinoms, die sich etwa in ihren Reparaturmechanismen unterscheiden. Diese Merkmale bieten weitere Ansätze für Medikamente. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Schmerzloses Impfen per Pflaster

Forscher arbeiten an Impfpflastern, mit denen sich Vakzinen schmerzfrei applizieren lassen, ganz ohne Nadel. Die Pflaster haben viele Vorteile und könnten für höhere Impfraten sorgen. mehr »

Paul Ehrlich-Preis für Forschung zu Proteinfaltung

Für ihre Forschung zu Chaperonen erhalten Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich den Paul Ehrlich-Preis 2019. Ihre Erkenntnisse könnten für neue Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »