Ärzte Zeitung, 06.06.2005

Läßt sich kein Prostata-Tumor finden, sorgt PET/CT für Klarheit

Positronen-Emissions- plus Computertomographie wesentlich sensitiver als CT und Szintigraphie / Indikation bei bis zu 15 Prozent der Männer

BERLIN (mut). Mit CT und Szintigraphie ist bei manchen Männern mit Verdacht auf Prostata-Ca oder Tumorrezidiv kein Tumor lokalisierbar. Für sie käme eine PET/CT infrage.

Ein Patient wird für PET/CT- Aufnahmen vorbereitet. Foto: Siemens

Doch die Positronen-Emissionstomographie plus Computertomographie (PET/CT) wird von der GKV in der ambulanten Diagnostik bisher nicht erstattet (wir berichteten). Stattdessen bleibt Männern mit Prostata-Ca oft nichts anderes übrig, als zu warten, bis Tumor oder Metastasen so groß sind, daß sie mit herkömmlichen Verfahren erfaßt werden können, sagte der Nuklearmediziner Professor Wolfgang Mohnike aus Berlin zur "Ärzte Zeitung".

Steigt etwa der PSA-Wert nach einer Prostata-Karzinom-Operation wieder an, besteht Verdacht auf ein Rezidiv. "Mit CT kann man einen Tumor in der operierten Region jedoch oft nicht erkennen, weil diese durch Narben verändert ist", sagte Mohnike. Auch ein Lymphknotenbefall lasse sich damit häufig erst sehr spät nachweisen, da Lymphknoten unter einem Durchmesser von 10 mm als unauffällig gelten.

Und mit der Skelett-Szintigraphie könne man Knochen-Metastasen erst ab einer Größe von etwa 12 bis 15 mm nachweisen, mit der PET dagegen bereits ab 3 mm. Bei Metastasen ist jedoch eine andere Therapie nötig als bei einem Lokalrezidiv. Aber auch bei einem Lokalrezidiv muß man genau wissen wo es liegt.

Mohnike: "Wird mit CT und Szintigraphie nichts gefunden, wird bisher einfach blind die Op-Region bestrahlt." Eine genaue Tumor-Ortung mit PET/CT ermöglicht jedoch eine gezielte Bestrahlung - mit weniger Risiken für strahlenempfindliche Regionen wie Rektum und Blase.

Von der PET/CT profitieren auch unbehandelte Männer mit hochmalignen Tumoren (Gleason-Wert über 6) und PSA-Werten über 10 ng/ml. Solche Männer haben ein hohes Risiko für Metastasen - die sich nur mit PET/CT gut nachweisen lassen. Und es gibt Männer, bei denen bioptisch trotz hoher PSA-Werte kein Tumor gefunden wird. Bei ihnen wird bisher gewartet, bis der Tumor mit klassischen Verfahren nachweisbar ist. Eine PET/CT kann dagegen sofort Klarheit schaffen. Insgesamt schätzt Mohnike den Anteil von Prostata-Ca-Patienten, denen die PET/CT nützt, auf etwa 10 bis 15 Prozent.

Die Kosten für das Verfahren liegen bei etwa 1000 bis 1300 Euro. In einer Studie mit 200 Bronchial-Ca-Patienten war die PET/CT langfristig jedoch günstiger als die CT alleine, da Mehrfachuntersuchungen vermieden wurden und gleich die richtige Therapieentscheidung getroffen werden konnte.

STICHWORT

Prostata-Karzinom und PET/CT

In Deutschland hat schätzungsweise einer von 20 Männern über 40 Jahren ein Prostata-Karzinom. Jedes Jahr wird bei etwa 33 000 Männern ein Prostata-Karzinom neu diagnostiziert, und 11 000 Männer sterben jährlich an der Krebserkrankung.

Ein relativ neues Diagnoseverfahren bei Prostata-Ca ist die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) in Verbindung mit der Computer-Tomographie (CT). Die PET spürt selbst kleinste Tumorherde auf, die CT verrät, wo diese liegen.
(mut)

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