Ärzte Zeitung, 10.10.2005

Wann Docetaxel bei Prostata-Ca verwendet werden sollte

Empfehlungen von Urologen und Onkologen vorgestellt / Palliativ-Therapie bei hormonrefraktärem Prostata-Karzinom

DÜSSELDORF (miz). Die palliative Therapie mit Docetaxel verlängert signifikant das Leben von Patienten mit lokal fortgeschrittenem, hormonrefraktären Prostatakarzinom. Eine Expertengruppe hat jetzt Empfehlungen gegeben, wann am besten mit einer Docetaxel-Therapie zu beginnen ist.

Mit einer Docetaxel-Therapie war in Studien die mediane Lebenszeit bei hormonrefraktärem Prostata-Ca um über zwei Monate verlängert. Doch wann gilt ein Tumor als hormonrefraktär und wann sollte mit einer Docetaxel-Therapie begonnen werden?

Nach interdisziplinären Empfehlungen einer Expertengruppe aus Urologen und Onkologen wird als hormonrefraktär ein Prostatakarzinom angesehen, wenn der PSA-Wert über 1 ng/ml liegt und bei drei aufeinander folgenden Kontrolluntersuchungen gestiegen ist. Dies hat Professor Manfred Wirth von TU Dresden beim Urologen-Kongreß in Düsseldorf berichtet, wo er die Empfehlungen vorgestellt hat.

Die Experten raten dann zu einer Monotherapie mit Docetaxel (Taxotere®) in dreiwöchentlichem Abstand. Die Kombination mit Estramustin sei im Expertengremium abgelehnt worden, sie bringe keinen Vorteil, so Wirth bei einer Veranstaltung des Unternehmens Sanofi-Aventis. Ein LHRH-Analogon solle hingegen weiter verwendet werden. Auch Zoledronsäure könne fortgesetzt werden. Anti-Androgene hingegen seien abzusetzen.

Als Mindestdauer geben die Experten zwei bis drei Serien an, feste Regeln für die Dauer oder eine Dosisobergrenze existieren hingegen nicht. Die Dauer der Therapie sollte, so Wirth, vom Zustand der Patienten, vom klinischen Befund und vom Verlauf des PSA-Werts abhängig gemacht werden. Steigt der PSA-Wert um mehr als 25 bis 50 Prozent des Ausgangswertes, so sei die Therapie zu beenden.

Eine Second-line-Chemotherapie sei beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom noch nicht etabliert; erste Daten dazu aus Studien erwartet Wirth spätestens in einem Jahr. Bisher ist nicht bewiesen, daß Patienten mit steigenden PSA-Werten ohne klinische Symptome oder Metastasen von Docetaxel profitieren. "Die Trends in den beiden Studien zur Docetaxel-Therapie bei Prostatakarzinom legen diese Annahme aber nahe", sagte Wirth.

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