Ärzte Zeitung online, 08.05.2009

Europäische Studie spricht für das PSA-Screening

Senkt ein PSA-Screening die Sterberate durch Prostata-Krebs? Richtig eindeutig ist die Datenlage dazu noch immer nicht.

Durch regelmäßige PSA-Tests im Abstand von vier Jahren kann die Sterblichkeit an Prostata-Ca um etwa 20 Prozent gesenkt werden, hat eine Studie mit 160 000 Männern ergeben. In einer anderen großen Studie erbrachte das Screening jedoch nicht den erhofften Erfolg.

Für einen Nutzen des PSA-Screenings sprechen die Ergebnisse der 1990 begonnenen ERSPC-Studie*, an der Männer aus sieben europäischen Ländern teilgenommen haben. Ziel war, den Einfluss des PSA-Screenings auf die Sterberate durch Prostata-Ca zu untersuchen. Bei Männern zwischen 55 und 69 Jahren, die zuvor nicht an Screening-Programmen teilgenommen hatten, wurde in vierjährigen Abständen der PSA-Wert bestimmt. Bei Werten über 3 ng/ml erfolgte eine Prostatabiopsie, bei histologisch bestätigtem Karzinom wurde eine Therapie eingeleitet. Eine gleich große Kontrollgruppe blieb ohne Screening.

Biopsie bei PSA-Wert über 3 ng/ml.

Wie Professor Fritz Schröder von der Erasmus-Uni Rotterdam beim europäischen Urologie-Kongress in Stockholm berichtete, wurde über eine mittlere Beobachtungszeit von neun Jahren bei 8,2 Prozent der Männer aus der Screening-Gruppe ein Prostata-Ca festgestellt, in der Kontrollgruppe waren es 4,8 Prozent. Das Risiko, an einem Prostata-Ca zu sterben, war in der Screening-Gruppe etwa 20 Prozent geringer. Die Differenz betrug 0,7 Karzinome pro 1000 Männer. Statistisch bedeutet dies: Um einen Krebstodesfall zu verhindern, müssen 1408 Männer neun Jahre lang am Screening teilnehmen, und 48 Patienten müssen aufgrund dabei entdeckter Karzinome therapiert werden. Die Autoren der Studie (NEJM 360, 2009, 1310, 1320, 1351), kommen zu dem Schluss, dass ein PSA-Screening die Krebsmortalität deutlich senken kann - allerdings werden dabei vermehrt auch sehr kleine Prostata-Karzinome entdeckt, von denen etwa die Hälfte nach früheren Auswertungen der ERSPC-Studie klinisch und prognostisch nicht relevant sind.

Zu einem anderen Ergebnis kam die Studie PLCO* mit über 75 000 Männern. Hier betrug nach 7 bis 10 Jahren Studiendauer die Prostata-Ca-Sterberate etwa 2 pro 10 000 Personen-Jahre und war damit sehr niedrig (wir berichteten). Sie unterschied sich nicht signifikant zwischen der Screening- und der Kontrollgruppe. Aber: Auch in der Kontrollgruppe nahm die Hälfte an Tests und digital-rektalen Untersuchungen teil. In der Screeninggruppe waren es 90 Prozent. (grue/ple)

*ERSPC: European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer

*PLCO: U.S. Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial. Lesen Sie auch:

Lesen Sie dazu auch:
US-Empfehlung: Prostatakrebsvorsorge mit PSA-Test - auf individueller Basis
"Prostatahyperplasie ist eine Volkskrankheit"

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