Ärzte Zeitung, 29.04.2009

Statine: Hinweise auf Schutz vor Prostatakrebs

Beim US-Urologenkongress präsentierte Studien liefern Anhaltspunkte für protektive Effekte

CHICAGO (rf). Statine senken möglicherweise das Risiko für Prostatakrebs. Hinweise darauf haben sich in einer großen Beobachtungsstudie aus den USA bestätigt.

Demnach hatten Männer, die langfristig Statine einnahmen, ein etwa dreifach geringeres Erkrankungsrisiko als Männer ohne diese Therapie. Besonders vor aggressiven Prostatakarzinomen könnten die Medikamente schützen.

Je länger die Statintherapie dauerte, desto geringer waren das Prostatakrebsrisiko und die Wahrscheinlichkeit, dass die Werte des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) in den verdächtigen Bereich stiegen und eine Biopsie nötig wurde. Das berichtete Dr. Rodney Breau beim Kongress der US-amerikanischen urologischen Fachgesellschaft (AUA) in Chicago.

In der Studie wurden knapp 2500 Männer im Median 14 Jahre lang beobachtet. Unter ihnen waren 616 Männer mit Statin-Behandlung, von denen 75 (12 Prozent) biopsiert wurden und 30 (5 Prozent) an einem Prostatakarzinom erkrankten. Das Risiko für eine Biopsie war um 61 Prozent und das für ein Prostatakarzinom um 62 Prozent geringer als bei Männern ohne Statin-Einnahme.

Gründe für protektive Effekte noch unklar.

Die Gründe für die Schutzwirkung sind noch unklar. Möglich sei, dass Männer mit Statintherapie einfach einen gesünderen Lebensstil pflegten, aber auch, dass Statine direkt gegen Prostatakarzinome wirksam sind, sagte Breau. Als wahrscheinlichster Wirkmechanismus gilt hier die antiinflammatorische Wirkung von Statinen.

In einer zweiten in Chicago vorgestellten Studie korrelierte die Statin-Einnahme mit einem um 72 Prozent niedrigeren Entzündungsgrad in Prostatakarzinomzellen. Das ergab eine Analyse histologischer Befunde bei 254 Männern nach radikaler Prostatektomie (RP), von denen etwa die Hälfte mit Statinen behandelt worden war. Ein hoher Entzündungsgrad ist mit aggressiveren Tumoren assoziiert. Ebenfalls nach RP wurde in einer dritten Studie ein Zusammenhang zwischen Statin-Einnahme und einem um 30 Prozent verringerten Risiko für Karzinomrezidive beobachtet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Welche Gesundheitspolitiker bleiben im Bundestag?

So sehr sich der Bundestag verändert - viele aus der Gesundheitspolitik vertraute Gesichter werden vermutlich wieder im Gesundheitsausschuss arbeiten. Eine Auswahl. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »