Ärzte Zeitung, 24.11.2010

Neuer Biomarker für Prostata-Ca in Sicht

Ein neuer Biomarker für das Prostata-Ca wird voraussichtlich in den nächsten ein bis zwei Jahren auf den Markt kommen. Er lässt sich aus Urinproben bestimmen.

MAINZ (ner). Das Forschungsinstitut Proteosys AG in Mainz hat ein Protein im Urin identifiziert, das wesentlich spezifischer als das Prostata-spezifische Antigen (PSA) bereits frühe Prostatakarzinomstadien anzeigt. Damit könnten künftig viele unnötige Prostatabiopsien verhindert werden, so das Unternehmen. Die Lizenz für die kommerzielle Vermarktung sei bereits vergeben worden. Dies berichtete Professor André Schrattenholz vom Unternehmen beim Pharmaforum 2010 in Mainz.

Bei dem Biomarker handelt sich um das Eiweißmolekül Annexin 3 (ANXA 3). Es gehört zur Familie der Kalzium- und Phospholipid-bindenden Proteine, die in Zelldifferenzierung und Zellwanderung involviert sind und darüber hinaus Bedeutung bei immunmodulatorischen Prozessen, bei der Knochenformation und der Knochenmineralisation haben. Untersuchungen von Prostatakarzinomgewebe und von Zellen einer gesunden Prostata hatten zunächst ergeben, dass bösartige Veränderungen mit einer sinkenden Gewebskonzentration von ANXA 3 assoziiert sind. Es besteht also eine inverse Korrelation zum Karzinomwachstum.

In einer verblindeten klinischen Studie hatten deutsche und österreichische Urologen unmittelbar nach der digital-rektalen Untersuchung (Prostatamassage) Urinproben von knapp 600 Patienten analysieren lassen. Darunter waren 368 Patienten mit histopathologisch gesichertem Prostatakarzinom und 223 Patienten ohne Karzinom. Besonders im bislang unsicheren PSA-Wert-Bereich von 4 bis 10 ng/ml ergab die Studie für ANXA 3 eine wesentlich höhere Spezifität als für den PSA-Wert.

Die kombinierte Auswertung von ANXA 3 und PSA-Isoformen wie komplexiertes PSA und freies PSA ergab bei einer Spezifität von 90 Prozent Sensitivitäten zwischen 50 und 60 Prozent, je nachdem, ob der PSA-Wert zwischen 2 und 6 ng/ml lag oder zwischen 4 und 10 ng/ml. Damit seien bei bis zu jedem Zweiten unnötige Biopsien vermeidbar, wie die Forscher um Schrattenholz vorrechnen (J Urol 2009; 181: 343).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »