Ärzte Zeitung, 05.04.2011

Kommentar

PSA-Screening - ein Holzweg?

Von Angela Speth

Der Daumen geht mal wieder nach unten in der Diskussion, ob sich ein Prostata-Screening medizinisch und finanziell bezahlt macht. Provoziert wird die Gebärde von einer schwedischen Studie, die zwar klein ist, durch ihre Dauer aber Gewicht erhält.

Die Ergebnisse der vergangenen Jahre pendeln im Zickzackkurs. Zick: eine europäische Arbeit mit rund 160.000 Männern (ERSPC, 2009). Hier war über neun Jahre die Prostata-Ca-Sterberate mit PSA-Tests um 20 Prozent verringert.

Daraufhin hatte die Deutsche Gesellschaft für Urologie sogar in ihrer S3-Leitlinie vorgezogene Tests - ab 40 Jahre - als sinnvoll eingestuft. Dann Zack: Eine US-Studie mit mehr als 75.000 Männern und bis zehn Jahre Beobachtungszeit ergab keinen Gewinn (PLCO, 2009). Und Zick: Forscher aus Göteborg, die mit 10.000 Teilnehmern und einer Dauer von 14 Jahren aufwarten, fanden Ähnliches wie ihre Landsleute jetzt.

Patt also, unentschieden. Was aber ist mit den Ärzten: Sollten sie Patienten zu Tests auf eigene Kosten raten oder nicht? Vorschlag: nicht darauf dringen, aber sie Gesundheitsbewussten auch nicht ausreden - und mögliche Folgen klarmachen: Biopsie und Therapie mit Risiken wie Inkontinenz und Impotenz.

Lesen Sie dazu auch:
Lohnt sich Vorsorge gegen Prostatakrebs nicht?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »