Ärzte Zeitung, 04.02.2013
 

Prostata-Ca

Protonen und Photonen ähnlich toxisch

Der Grad der Nebenwirkungen bei Prostata-Ca nach Protonentherapie ist nur unwesentlich niedriger als nach Therapie mit intensitätsmodulierter Radiotherapie, legt eine US-Studie nahe. Noch gibt es aber zu wenige Vergleichsdaten, die einen klaren klinischen Vorteil der Protonentherapie belegen würden.

Von Peter Leiner

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Zellen des Prostatakarzinoms, immunfluoreszierend umter dem Lichtmikroskop.

© Kedersha / SPL / Agentur Focus

NEW HAVEN. Wie in Deutschland wird die Protonentherapie in den USA im Vergleich zur etablierten intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) bisher nur an wenigen Zentren angeboten.

Um das Angebot der neuartigen Therapieform in den USA auszuweiten, liegt die Erstattungsrate bis zum 2,5-Fachen höher als bei der IMRT.

Aus früheren Studien gibt es Hinweise, dass es mit der IMRT weniger gastrointestinale Toxizitäten gibt als mit der Protonentherapie. Allerdings sind die Daten nicht für die ganzen USA repräsentativ.

Um den Langzeiteffekt der beiden Therapieformen bei Männern mit einem noch nicht metastasierten Prostatakarzinom zu ermitteln, werteten jetzt US-Radiologen um Dr. James B. Yu von der Yale University School of Medicine in New Haven in Connecticut Daten aller Medicare-Patienten älter als 66 Jahre im Zeitraum zwischen 2008 und 2009 aus (J Natl Cancer Inst 2013; 105: 25-32).

Der älteste Patient war 94 Jahre alt. Dreimal mehr Männer waren jünger als 69 Jahre im Vergleich zu Männern über 85 Jahre.

Insgesamt 553 Patienten mit Prostata-Ca erhielten eine Protonentherapie, mit fast 27.100 Männern die weitaus meisten eine IMRT. Im Median wurden im Studienzeitraum für die Protonentherapie fast 32.500 US-Dollar von der Seniorenversicherung erstattet, für die IMRT lag der Anteil bei knapp 18.600 US-Dollar.

Auffallend waren toxische Wirkungen vor allem im Urogenitalbereich. Ihr Anteil lag zwar sechs Monate nach Studienbeginn bei Männern mit Protonentherapie signifikant niedriger als bei Männern mit IMRT (5,9 Prozent versus 9,5 Prozent).

Plädoyer für Vergleichsstudien

Doch nach einem Jahr war der Unterschied nicht mehr signifikant. Die Unterschiede bei gastrointestinalen Toxizitäten waren über den gesamten Studienzeitraum nicht signifikant.

Die Radiologen weisen allerdings darauf hin, dass ihnen Informationen über die Strahlendosis für die Auswertung fehlten. Möglicherweise sei die Dosierung bei der IMRT höher gewesen, was die höhere Toxizität sechs Monate nach Studienbeginn erklären könnte.

Möglicherweise könnte die Ursache auch darin liegen, dass die Bestrahlung per IMRT eher regional als bei der Protonentherapie ist, die gezielt die Prostata im Fokus hat.

Zudem gab es in der Studie keine Informationen über leichte, aber häufigere Nebenwirkungen der Bestrahlung, etwa eine leichte Proktitis oder Zystitis, die keine medizinische Intervention erfordern und deswegen vom Medicare-Programm nicht erfasst werden.

Künftige prospektive Studien sollten daher auch Aspekte der Lebensqualität berücksichtigen. Solange es keine prospektiven Studien zur Anwendung der Protonen- und IMRT-Therapie gebe, sei es nicht gerechtfertigt, die Protonentherapie flächendeckend anzubieten, so die Radiologen.

In ihrem Editorial zur Studie rufen die Radiologen Dr. Theodore S. Lawrence und Dr. Mary Feng von der Universitätsklinik in Ann Arbor im US-Staat Michigan Patienten dazu auf, an randomisierten Protonentherapie/IMRT-Vergleichsstudien teilzunehmen, weil noch immer unklar ist, ob die Protonen- der IMRT-Therapie überlegen ist.

In einer Befragung im vergangenen Jahr hätten sich immerhin fast 60 Prozent der Teilnehmer positiv über eine Teilnahme an einer solchen Vergleichsstudie geäußert.

Die beiden Radiologen glauben allerdings nicht, dass die Protonentherapie bei Prostata-Ca effektiver ist als die IMRT, aber bei anderen Tumorarten könnte das durchaus der Fall sein, etwa bei Bronchialkarzinomen.

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