Ärzte Zeitung App, 23.10.2014
 

Früherkennung

Leitlinie zu Prostata-Ca aktualisiert

Männer sollen nun erst ab 45 und nicht bereits ab 40 über die Möglichkeit einer Früherkennung informiert werden.

DÜSSELDORF. Überdiagnose und Übertherapie sollen vermieden werden, zugleich dürfen Neuerkrankungen nicht zu spät entdeckt werden.

Um diesen Anforderungen gerecht zu bleiben, hat die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) als federführende Fachgesellschaft die S3-Leitlinie "Prostatakarzinom: Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien" abermals aktualisiert.

Als augenfälligste Änderung sieht Leitlinienkoordinator Professor Manfred Wirth aus Dresden, dass Männer, die mindestens 45 Jahre alt sind und eine mutmaßliche Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren haben, als Standard prinzipiell über die Möglichkeit einer Früherkennung informiert werden sollen.

Bei familiärem Risiko kann die Altersgrenze vorverlegt werden

Bis dahin galt dies, laut Leitlinie, bereits für Männer ab 40. Bei familiär erhöhtem Risiko für Prostata-Ca soll die neue Altersgrenze in Deutschland um fünf Jahre vorverlegt werden können.

Männern, die nach entsprechender Aufklärung eine Untersuchung wünschen, soll die Bestimmung des PSA-Wertes angeboten werden.

Eine zusätzliche digital-rektale Untersuchung wird künftig nicht mehr als Standard, sondern nur als Empfehlung angeraten. Auch bei den Früherkennungsintervallen hat es Änderungen gegeben: Für Männer über 70 und einem PSA-Wert unter 1ng/ml wird eine weitere PSA-gestützte Früherkennung nicht mehr empfohlen.

Der Leitlinienkomplex zur Aktiven Überwachung von Tumoren wurde nicht grundlegend geändert, da noch Langzeitdaten fehlen.

Nur die Kontrollintervalle wurden leicht modifiziert, und eine Rebiopsie soll möglichst nach sechs Monaten erfolgen.

Zur Therapie beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom wurden mit Abiraterone, Radium 223 und Sipuleucel-T drei neue Substanzen in die Erstlinien-Behandlung aufgenommen.

Für 2015 kündigt Wirth eine komplette Überarbeitung der seit ihrer ersten Vorstellung im Jahr 2009 zum zweiten Mal aktualisierten S3-Leitlinie an. (eb)

[11.11.2014, 08:56:28]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Auch hier können Leitlinien nicht das individuelle Arztpatientenverhältnis ersetzen.
-----
Grundsätzlich Altersbegrenzung ist schlicht gesetzwidrige Diskrimierung,
Altersdiskriminierung. Da hilft keine "Statistik". zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gegen Husten taugen Medikamente wenig

Abwarten und Tee trinken, mehr wollen US-Experten gegen erkältungsbedingten Husten nicht empfehlen. Allenfalls etwas Honig bei Kindern halten sie noch für geeignet. mehr »

Erst krebskrank, dann Hypertoniker

Überlebende von Krebserkrankungen in der Kindheit tragen ein erhöhtes Hypertonierisiko: Im Alter von 50 Jahren sind 70 Prozent betroffen. mehr »

Macht das Stadtleben krank?

Stadtluft kann Schizophrenie begünstigen, glauben Wissenschaftler. Ein Chefarzt der Charité fordert deshalb eine Public-Mental-Health-Strategie für urbane Räume. mehr »