Ärzte Zeitung online, 30.03.2015

Prostata-Ca

Nach Radiatio die meisten Komplikationen

Erhalten Patienten mit lokal begrenztem Prostata-Ca. eine initiale Radiatio, führt dies häufiger zu therapiebedingten Komplikationen als eine Prostatektomie. Selbst eine Op plus adjuvante Radiatio erscheint in dieser Hinsicht besser.

Von Thomas Müller

Nach Radiatio die meisten Komplikationen

Viele Patienten mit Prostata-Ca fürchten Impotenz und Inkontinenz als Komplikation einer Therapie.

© Markus Bormann / fotolia.com

TORONTO. Ob Ärzte und Patienten sich bei einem lokal begrenzten Prostata-Ca. für eine alleinige Radiotherapie oder eine radikale Prostatektomie entscheiden, hängt von vielen Faktoren ab.

Das Alter spielt sicher eine Rolle, aber auch das Tumorstadium und die Furcht der Patienten vor Impotenz und Inkontinenz. Weniger im Blick haben Ärzte und Patienten offenbar zahlreiche andere Komplikationen.

So sind vor allem nach einer Radiomonotherapie in den Folgejahren wesentlich häufiger Klinikaufenthalte und anal-rektale Eingriffe zu beobachten als bei einer initialen Prostatektomie - egal ob Letztere mit oder ohne adjuvante Radiatio erfolgt.

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um Dr. Robert Nam von der Universität in Toronto aufgrund einer Analyse von Krankenversicherungsdaten der Provinz Ontario.

Die Urologen haben sich Folgediagnosen bei knapp 37.000 Männern angeschaut, die in den Jahren 2002 bis 2009 aufgrund eines lokal begrenzten Prostatatumors behandelt worden waren.

Aus den Daten konnten die Männer auch Komorbiditäten zum Behandlungsbeginn ableiten, dagegen waren Angaben zum genauen Tumorstadium oder den PSA-Werten vor Therapiebeginn in den administrativen Daten nicht enthalten.

Stationäre Folgebehandlungen bei über einem Viertel der Bestrahlten

Insgesamt waren knapp 43 Prozent der Männer ausschließlich chirurgisch behandelt worden, 45 Prozent hatten sich für eine alleinige Radiatio entschieden, und bei zwölf Prozent erfolgte nach der Op. zusätzlich eine Strahlentherapie - in der Regel wird dabei aber eine geringere Dosis als bei einer alleinigen Radiatio verwendet.

Analysierten die Forscher nun die Raten von therapieassoziierten Komplikationen, so waren diese in den ersten fünf Jahren nach der Therapie in fast allen Bereichen bei den Männern mit Radiomonotherapie am höchsten: 27 Prozent von ihnen mussten aufgrund solcher Komplikationen stationär behandelt werden, knapp 18 Prozent waren es bei denen mit alleiniger Op. und 23 Prozent bei den Männern mit Op. und nachfolgender Radiatio.

Rektale und anale Eingriffe erfolgten bei rund 20 Prozent der Männer mit alleiniger Radiatio, aber nur bei sieben Prozent mit alleiniger Op. sowie bei 13 Prozent mit Op. und Radiatio.

Auch Sekundärtumoren wurden bei Radiomonotherapie häufiger beobachtet (3,7 Prozent versus 1,3 Prozent ohne Radiatio und 3,0 Prozent mit beiden Modalitäten). Lediglich urologische Eingriffe waren bei den Männern mit Radiomonotherapie seltener nötig als bei einer alleinigen Op. (30 versus 34 Prozent). Mit 42 Prozent war der Anteil hier bei den Patienten mit Op. plus Strahlentherapie am höchsten.

Mehr Klinikaufenthalte nach Radiatio

In einer weiteren Analyse fassten die Wissenschaftler nun alle Männer mit Op. in einer Gruppe zusammen, also auch die, die eine zusätzliche Radiatio bekommen hatten. Damit wollten sie die Häufigkeit von Komplikationen bei den einzelnen Therapiestrategien ermitteln. Denn schließlich wird die zusätzliche Radiatio nicht immer im Voraus geplant, ihre Notwendigkeit ergibt sich häufig erst danach.

Anhand dieser Analyse lässt sich ermitteln, was Männer erwartet, die sich primär für eine Op. entscheiden. Doch auch wenn das Risiko einer zusätzlichen Radiatio berücksichtigt wurde, war die Komplikationsrate noch deutlich geringer als bei einer initialen Radiomonotherapie, berichten die Urologen um Nam. Das trifft vor allem auf die Rate von Klinikeinweisungen und rektal-analen Eingriffen zu, und zwar auch dann noch, wenn Alter und Komorbiditäten berücksichtigt wurden.

Selbst dann, wenn die Forscher nur Patienten mit modernen Strahlentherapie-Verfahren wie einer intensitätsmodulierten Bestrahlung (IMRT) berücksichtigten, änderte sich wenig an dem Ergebnis.

Die Resultate legen also nahe, dass eine Prostatektomie weniger Folgekomplikationen nach sich zieht als eine initiale Radiatio.

Allerdings sind solche Schlussfolgerungen aus rein administrativen Daten mit Vorsicht zu genießen. Letztlich geht aus den Angaben nicht hervor, weshalb sich Ärzte und Patienten für die jeweilige Modalität entschieden haben. Nicht auszuschließen, dass Patienten mit initialer Radiatio generell in einem schlechteren Zustand und damit anfälliger für Komplikationen sind.

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