Ärzte Zeitung, 27.07.2015

DGU

Urologen wollen Psychoonkologie stärken

Bei jedem uroonkologischen Patienten sollte der Bedarf an psychoonkologischer Hilfe geprüft werden, appellieren Urologen.

DÜSSELDORF. Rund 30 Prozent aller Krebskranken brauchen Hilfe von Psychoonkologen oder psychoonkologisch tätigen Psychologen. Doch nicht jeder Patient kann sich für diese Hilfe öffnen.

Während jüngere weibliche Patienten dem psychotherapeutischen Angebot gegenüber oft aufgeschlossen sind, sei der Zugang zu vielen uroonkologischen Patienten schwierig, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU).

"In der Uroonkologie behandeln wir viele ältere, an Prostatakrebs erkrankte Männer, die es nicht gelernt haben, über sich und ihre Gefühle zu sprechen", wird Professor Peter Herschbach, Direktor des Roman-Herzog Krebszentrums und der Sektion Psychosoziale Onkologie des Klinikums rechts der Isar München, zitiert. Viele Männer nützen entsprechende Unterstützungsangebote nicht.

Die Psychoonkologie ist mittlerweile ein integraler Bestandteil der Behandlung und verankert in den Zertifizierungskriterien für onkologische Zentren sowie in den onkologischen S3-Leitlinien und im Nationalen Krebsbehandlungsplan."Jeder Patient geht, je nach Persönlichkeit und persönlicher Lebenssituation, unterschiedlich mit seiner Erkrankung um", so Herschbach.

Um herauszufinden, wer professionelle Hilfe benötigt, habe sich das sogenannte Distress Screening etabliert. Anhand weniger Fragen, die der Patient beantwortet, wird klar, ob Patienten therapiebedürftigen psychischen Belastungen ausgesetzt sind.

Arzt-Patienten-Kommunikation spielt wichtige Rolle

Bei den an Prostatakrebs erkrankten Männern benötigen insgesamt 20 Prozent professionelle Hilfe, wobei nach Angaben von Herschbach erfahrungsgemäß ältere Männer mit der Situation oftmals besser zurechtkommen als jüngere, die besonders unter begleitenden sexuellen Funktionsstörungen leiden.

Sie haben nicht nur Angst vor einer Ausbreitung der Erkrankung, sondern auch vor dem drohenden Verlust des männlichen Selbstwertgefühls.Grundsätzlich ist es sinnvoll, die Frauen mit ins therapeutische Boot zu holen.

Herschbach: "Es sind oft die Frauen, die ihre Partner für psychoonkologische Begleitung empfänglich machen.Männer können ihre Probleme und Ängste nach meiner Erfahrung schlecht kommunizieren - das übernehmen nicht selten die Frauen. "

Die richtige Kommunikation zwischen Arzt und Patient spielt bei der Behandlung eine zentrale Rolle.

"Eines unserer Anliegen ist es, die kommunikative Kompetenz der onkologisch tätigen Ärzte zu verbessern. Die Lebensqualität der Patienten kann davon abhängen, wie der Arzt die Diagnose Krebs übermittelt, welche Worte er wählt, wie empathisch er auf den Patienten eingeht", sagt Herschbach.

Auf dem DGU-Kongress im September in Hamburg wird Herschbach appellieren, die kommunikative Fachkompetenz der Urologen weiter zu schulen und die Patienten in jedem Einzelfall gezielt auf psychoonkologischen Unterstützungsbedarf hin zu prüfen ("DistressScreening").

"Beides wollen wir als Fachgesellschaft unterstützen, denn wir haben großes Interesse daran, die Psychoonkologie noch stärker im Behandlungsablauf zu etablieren und unseren Patienten professionelle Mittel und Wege an die Hand zu geben, um die Belastungen ihrer Krebserkrankung auch seelisch gut zu bewältigen", so DGU-Präsident Professor Stephan Roth aus Wuppertal in der Mitteilung.

Die Psychoonkologie in der Urologie ist auch Thema beim DGU-Kongress (23. bis 26. September, Hamburg): www.dgu-kongress.de

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