Ärzte Zeitung, 15.06.2018

Screening auf Prostatakrebs

Besser Finger weg von der digital rektalen Untersuchung

Das rektale Abtasten der Prostata taugt laut Resultaten einer kanadischen Studie nicht zum Screening auf Prostatakrebs in der Hausarztpraxis.

Besser Finger weg von der digital rektalen Untersuchung

Die digitale rektale Untersuchung gehört zum Standardrepertoire einer gründlichen körperlichen Exploration. Zum Aufspüren eines Prostata-Ca taugt sie allerdings wenig, so eine Studie.

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HAMILTON. Die digitale rektale Untersuchung gehört zum Standardrepertoire einer gründlichen körperlichen Exploration.

Sinnvoll ist sie in vieler Hinsicht, denn nicht wenige Rektumkarzinome sind dem tastenden Finger zugänglich und Blut am Handschuh kann Hinweise auf gastrointestinale Hämorrhagien geben – um nur einiges zu erwähnen.

Palpation der Prostata

Tastuntersuchung der Prostata

»Die Sensitivität der digital rektalen Untersuchung betrug 0,51 bei Männern ohne bekannten Prostatakrebs,

»die Spezifität betrug 0,59,

»der positive Vorhersagewert eines Tastbefundes betrug 0,41,

»der negative Vorhersagewert eines fehlenden Befundes betrug 0,64.

Rektal tastbar sind prinzipiell auch Veränderungen der Prostata, etwa eine Hyperplasie oder eine (schmerzende) Prostatitis. Nach wie vor gehört die Palpation der Prostata zum Katalog der Kassenleistung zur Früherkennung von Krebs.

Doch für diesen Zweck scheint die Maßnahme, folgt man den Ergebnissen einer Studie aus Kanada, eher schlecht geeignet zu sein.

Leen Naji von der Abteilung für Familienmedizin der McMaster-Universität im kanadischen Hamilton hat sich zusammen mit Kollegen einen systematischen Überblick über sieben Studien zu dem Thema verschafft (Ann Fam Med 2018; 16: 149-154).

Die Metaanalyse der Daten von mehr als 9000 beteiligten Patienten förderte für die digitale rektale Untersuchung zum hausärztlichen Screening auf Prostatakarzinom eine eher magere Erfolgsrate zutage. Die Diagnosen waren jeweils durch Biopsie bestätigt.

Qualität der Studien niedrig

Nahmen Hausärzte eine Tastuntersuchung der Prostata vor, um bei Männern ohne bekannten Prostatakrebs nach einem Tumor zu fahnden, erreichten sie eine Sensitivität von 0,51. Die Spezifität lag, über alle Studien gesehen, bei 0,59.

Der positive Vorhersagewert eines Tastbefundes betrug 0,41, der negative Vorhersagewert eines fehlenden Befundes 0,64. Die Qualität der verwendeten Studien war insgesamt niedrig.

Mit anderen Worten hatten 36 von 100 Männern mit einer negativ verlaufenen Prostatapalpation doch Krebs; und 59 von 100 Männern mit einem positiven Tastbefund hatten keinen Krebs. Naji und Mitarbeiter raten Hausärzten vom routinemäßigen digitalen Screening auf Prostatakrebs ab.

Die Weltgesundheitsorganisation fordere von Screeningtests, sie sollten wissenschaftlich begründet sein, außerdem sollte ihr Nutzen den Schaden überwiegen, erläutern die Forscher. "Wie die Dinge stehen, erfüllt die digitale rektale Untersuchung diese Bedingungen nicht." (rb)

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