Ärzte Zeitung online, 08.02.2019

Finasterid und Krebsschutz

Prävention mit Fragezeichen

Kommentar von Robert Bublak

robert.bublak

Schreiben Sie dem Autor robert.bublak@springer.com

Für Männer mit benigner Prostatahyperplasie, die den 5-alpha-Reduktasehemmer Finasterid einnehmen, gibt es eine gute Nachricht: Sie müssen nicht fürchten, dadurch an höhergradigem Prostatakrebs zu erkranken. Studienergebnisse hatten nahegelegt, dass Finasterid das Risiko für Prostatakarzinome zwar insgesamt senkt, die Gefahr für aggressiven Krebs aber erhöht.

Eine aktuelle Auswertung der Präventionsstudie PCPT hat diesen Verdacht entkräftet. Eine Tendenz zu Prostatakrebs höheren Grades war nach mehr als 18 Jahren Nachbeobachtung nicht zu erkennen. Die Sterblichkeit durch Prostatakarzinome war reduziert, und zwar um relative 25 Prozent.

Signifikant war die Reduktion jedoch nicht. Nur wenige Probanden waren an Prostatakrebs gestorben, die Mortalität absolut nur um 0,17 Prozentpunkte gesunken. Ob die Gabe von Finasterid zur Präventionsstrategie taugt, ist daher fraglich. Die Autoren der PCPT-Studie argumentieren zwar, Finasterid könne den Schaden durch das PSA-Screening vermindern: Es würden weniger indolente Prostatakarzinome diagnostiziert, und somit gäbe es weniger Übertherapie. Schon früher wurde indes darauf hingewiesen, dass Männer das Ziel auch auf anderem Weg erreichen – indem sie nicht am Screening teilnehmen. Seite 9

Lesen Sie dazu auch:
Prostatakrebs: Kein signifikanter Krebsschutz durch Finasterid

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So weiblich ist die Ärzteschaft

Wer in Ostdeutschland eine Arztpraxis aufsucht, trifft zumeist eine Ärztin an. Im Westen sind hingegen männliche Mediziner präsenter. Wir zeigen für jeden deutschen Stadt- und Landkreis auf, wie hoch der Frauenanteil bei den Vertragsärzten ist. mehr »

Weniger Fett im Essen – und die Brustkrebs-Inzidenz sinkt

Eine 20-Jahres-Analyse der Women‘s Health Initiative (WHI)-Studie belegt: Die Inzidenz des Mammakarzinoms und die Gesamtsterblichkeit verringern sich bei fettreduzierter Ernährung. mehr »

Der HSK ist digitaler Kompass

Ulf Fink, Präsident des Hauptstadtkongresses, spricht von einer Revolution, wenn er an die Möglichkeiten der Digitalisierung denkt. Sinnvoll eingesetzt, biete sie nicht nur neue Chancen für Diagnostik und Therapie. mehr »