Ärzte Zeitung online, 10.10.2019

Kommentar

Stanzen und Erektionen

Von Robert Bublak

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Schreiben Sie dem Autor: robert.bublak@springer.com

Es wäre schön, wenn es denn wahr wäre: Laut Resultaten einer spanischen Studie hat es keine Folgen für die Erektionsfähigkeit, wenn sich Männer zum Zwecke der Prostatakrebsdiagnostik einer oder sogar mehreren Stanzbiopsien unterziehen müssen. Im Vergleich zur Situation vor der Biopsie waren weder drei noch sechs Monate später Verschlechterungen der Erektionsfunktion festzustellen.

Eine andere Studie war in diesem Zusammenhang allerdings vor ein paar Jahren zu einem anderen Ergebnis gelangt. Damals hatten US-Forscher nach Prostatabiopsien signifikant reduzierte Punktwerte auf der IIEF-Skala zur Messung der Erektionsfunktion bemerkt, bei einem nicht unerheblichen Anteil der Männer bis in mäßig bis schwer dysfunktionale Bereiche. Als Ursachen wurden neben psychischen Belastungen – Stichwort Krebsangst – auch anatomische Veränderungen wie Nervenläsionen und Hämatome diskutiert.

Wie belastbar die entlastenden spanischen Befunde sind, ist jedoch unklar. Die Teilnehmerzahl der Studie war relativ klein – womöglich zu klein, um Unterschiede dingfest zu machen. Mag also sein, dass Biopsien die Erektionsfähigkeit weniger beeinflussen als befürchtet. Vielleicht sind die Ergebnisse der Studie aber auch zu schön, um wahr zu sein.

Lesen Sie dazu auch:
Prostatabiopsie: Potenz leidet wohl nicht

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