Ärzte Zeitung, 22.04.2008

Temozolomid wird jetzt bei verschiedenen Hirntumoren untersucht

Substanz ist ein wichtiger Durchbruch bei Glioblastom

BERLIN (gvg). Temozolomid gilt als der wichtigste therapeutische Durchbruch beim Glioblastom seit Jahrzehnten. Mittlerweile wird in mehreren Studien der Nutzen der Substanz bei verschiedenen Hirntumoren und in unterschiedlichen Stadien geprüft.

"Derzeit laufen unter anderem Studien zur Rezidivtherapie beim Glioblastom, zur Therapie bei älteren Patienten und zur Behandlung von Patienten mit niedriggradigen Gliomen", sagt Professor Peter Vajkoczy von der Klinik für Neurochirurgie der Charité Berlin in Potsdam.

"Vor allem in der Rezidivtherapie gibt es bisher noch keinen klaren Standard hinsichtlich des optimalen Dosisprotokolls", betonte Vajkoczy auf der von Essex Pharma unterstützten neuroonkologischen Fortbildungsveranstaltung. Die DIRECTOR-Studie, die in den nächsten Wochen mit der Aufnahme von Patienten beginnt, soll das ändern.

Bei Patienten mit Glioblastom wird in einer Studie Radiatio verglichen mit Temozolomid.

Die Patienten mit Glioblastomrezidiv erhalten in dieser Studie eine intensivierte Temozolomid-Therapie. Verwendet werden dabei eine Woche lang 120 mg/m2 Körperoberfläche Temozolomid (Temodal®) pro Tag alle zwei Wochen oder 80 mg/m2 pro Tag für 21 Tage mit einer anschließenden einwöchigen Pause.

Die erhoffte Wirkung bei der intensiveren Therapie ist, dass eine dosisintensivere Applikation von Temozolomid den Tumor besser in Schach halten könnte.

Bei Glioblastom-Patienten über 65 Jahren ist der genaue Stellenwert einer Therapie mit Temozolomid noch ungeklärt, vor allem im Vergleich zur Radiotherapie. "Mehr Klarheit wird hier die NOA-8-Studie bringen, die bisher 230 von 340 Patienten aufgenommen hat", so Vajkoczy. Diese deutsche Studie wurde von der Neuro-Onkologischen Arbeitsgemeinschaft (NOA) initiiert.

Die bei jüngeren Patienten mittlerweile als Standard betrachtete Kombination aus Radiotherapie und Temozolomid gilt bei Menschen über 65 Jahren wegen höherer Toxizität als problematisch. In der NOA-8-Studie erhalten die Patienten deswegen entweder den Wirkstoff nach Standardschema (100 mg/m2 pro Tag für sieben Tage, danach zwei Wochen Pause) oder die bisherige Standardtherapie, also eine alleinige Radiotherapie mit einer Gesamtdosis von 60 Gray.

Ebenfalls um die Alternative "Radiotherapie oder Temozolomid" geht es in einer Studie bei Patienten mit niedriggradigen Gliomen (Grad II) unter der Federführung der Universität Regensburg. Hier wurden bisher 222 von 460 Patienten aufgenommen.

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