Ärzte Zeitung online, 13.04.2010

Glioblastome: Forscher nehmen "vergessene" Zellen unter die Lupe

BONN (eb). Glioblastome lassen sich zwar oft weitestgehend chirurgisch entfernen. So gut wie immer bilden sich danach aber neue Wucherungen. Grund dafür ist, dass nach der Operation versprengte Krebszellen im Gehirn verbleiben. Forscher der Universität Bonn haben diese "vergessenen" Zellen nun erstmals genauer unter die Lupe genommen.

Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass diese sich in vielen grundlegenden Eigenschaften stark von den Zellen aus dem Zentrum des Tumors unterscheiden. Eventuell erklärt das auch, warum Bestrahlung oder Chemotherapie den "vergessenen Zellen" so wenig anhaben können (Annals of Neurology 2010, online vorab).

Patienten mit einem Glioblastom werden in aller Regel so schnell wie möglich operiert. Dabei entnimmt der Chirurg vom Zentrum der Wucherung aus beginnend krankhaftes Gewebe, bis der Tumor vollständig entfernt scheint. Leider sind die Krebszellen jedoch schwer zu fassen: Sie wandern oft weit in benachbartes gesundes Gehirngewebe ein. Daher verbleiben nach der Operation praktisch immer einige bösartige Zellen, aus denen dann neue Wucherungen entstehen.

Bei der Untersuchung dieser Residualzellen machten die Bonner Forscher eine erstaunliche Entdeckung: Die Krebszellen in der Umgebung des Tumors hatten ganz andere Eigenschaften als die aus dem Zentrum der Wucherung. Sie waren beweglicher, sie bildeten andere Rezeptoren und reagierten anders auf Bestrahlung oder chemotherapeutische Substanzen.

Bislang wurden Therapien des Glioblastoms nur an dem entnommenen Tumorgewebe untersucht. Doch selbst wenn ein Medikament den eigentlichen Tumor zerstören kann, muss das nach den neuen Erkenntnissen nicht auch für die bösartigen Residualzellen gelten.

Möglicherweise erklärt dieser Befund auch die mageren Erfolge gegen den häufigsten bösartigen Hirntumor: Obwohl die Krebserkrankung seit mehr als einem halben Jahrhundert intensiv erforscht wird, ist eine Heilung bislang nicht möglich. Durchschnittlich überleben die Patienten nach der Erstdiagnose nur etwa 15 Monate.

Zum Abstract der Originalpublikation "Residual tumor cells are unique cellular targets in glioblastoma"

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