Ärzte Zeitung online, 01.11.2010

Vorsichtiger Optimismus bei Impfung gegen Glioblastom

BERLIN (gvg). Eine neue Studie zur Impfung gegen das Glioblastoma multiforme (GBM) endete mit zwiespältigem Ergebnis. Zwar gelang es nicht, das Tumorwachstum zu hemmen. Immunologisch war die Impfung aber dennoch wirksam.

Wie bei anderen fortgeschrittenen Tumoren werden auch beim GBM therapeutische Impfungen in unterschiedlichen Varianten geprüft. Ein Ansatz, den Dr. Antoine Carpentier vom Hôpital Avicenne beim Europäischen Forum Onkologie 2010 in Paris vorgestellt hat, nutzt als Impfantigen eine mutierte Form des EGF-Rezeptors (EGFRv3). "Sie kommt bei etwa einem Drittel der GBM-Patienten vor und findet sich ausschließlich im Gehirn", erläuterte Carpentier.

In einer Studienreihe (Activate) wird der Ansatz derzeit klinisch untersucht. Es handelt sich um drei Studien mit 18, 22 und 65 Patienten. Die größte der Studien war ursprünglich als randomisiert-kontrollierte Studie geplant. "Sie wurde aber geöffnet, weil die Patienten nicht in den Kontrollarm wollten", berichtete Carpentier.

Die Daten der kleinsten Studie, Activate I, wurden vor wenigen Wochen im Journal of Clinical Oncology publiziert. Außer dem Impfantigen erhielten die Patienten mit neu diagnostiziertem GBM auch noch den Wachstumsfaktor GM-CSF. 14 der 18 Patienten waren für die Auswertung verfügbar. Bei sechs von ihnen wurden Antikörper gegen das Impfantigen nachgewiesen. Bei 9 von 11 Patienten, die später zum zweiten Mal operiert wurden, war der Tumor danach frei von EGFRv3. "Die gute Nachricht ist also, dass die Impfung das getan hat, was sie sollte", sagte Carpentier.

Die schlechte Nachricht allerdings lautet, dass der Tumor trotzdem bei allen Patienten wiederkam. Die Immunreaktion war zwar tumorspezifisch, reichte aber nicht aus, das Tumorwachstum dauerhaft zu unterdrücken. Carpentier regte an, bei künftigen Studien über Begleittherapien nachzudenken, die jene Immunreaktionen bremsen, die dem Tumor ein "Ausbüchsen" ermöglichen.

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