Ärzte Zeitung online, 04.03.2011

Fortschritt mit vielversprechender Arznei gegen Hirntumoren

HANNOVER (eb). Bei Patienten mit bestimmten bösartigen Hirntumoren, den anaplastischen Astrozytomen, wird derzeit eine vielversprechende Substanz geprüft - auch an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Anaplastische Astrozytome sind schnellwachsende, bösartige Hirntumoren, die schwer zu bekämpfen sind. Die Klinik für Neurochirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sucht jetzt Patienten für die Teilnahme an der SAPPHIRE-Studie.

Teilnehmen können Patienten, die zwischen 18 und 70 Jahre alt sind, bei denen ein anaplastisches Astrozytom (WHO-Grad III) festgestellt wurde und deren Erkrankung nach Operation, Strahlenbehandlung oder Chemotherapie wieder auftrat oder trotz Behandlung weiter voranschreitet.

In der Studie werden die Patienten mit dem Präparat Trabedersen behandelt. Dieses Antisense-Molekül schaltet den Wachstumsfaktor TGF-beta-2 fast vollständig aus.

"Mittels der Antisense-Technologie ist es heute möglich, die Bildung besonders tumorfördernder Eiweiße zu hemmen, die für den aggressiven Verlauf verantwortlich zu sein scheinen", sagt Professor Joachim Krauss, Direktor der Klinik für Neurochirurgie.

Der Wirkstoff Trabedersen befindet sich derzeit in der letzten klinischen Phase der SAPPHIRE-Studie vor der Zulassung und könnte einen deutlichen Fortschritt in der Behandlung bösartiger Hirntumoren bedeuten, wie die MHH mitteilt.

Arznei reaktiviert das Immunsystem

Die Therapie blockiert die Produktion des Wachstumsfaktors und greift den Tumor gleich an mehreren Stellen an: Sie hemmt das Tumorwachstum und führt gleichzeitig zu einer Reaktivierung des Immunsystems. Die Zellen des Immunsystems können das bösartige Gewebe erkennen und angreifen. Das tun sie nicht nur dort, wo das Medikament eingesetzt wurde.

"Indem wir einen Tumor lokal behandeln, gelingt auch der Angriff auf Absiedelungen, die weiter entfernt liegen", betont Privatdozent Makoto Nakamura, Leitender Oberarzt in der Klinik.

So können auch einzelne Tumorzellen, die immer nach einer Operation im gesunden Gewebe zurückbleiben und die Erkrankung bislang unheilbar machen, durch derart aktive Immunzellen erstmals aufgespürt und eliminiert werden.

Informationen zur SAPPHIRE-Studie, eine Übersicht über die Ein- und Ausschlusskriterien und alle Studienzentren erhalten Interessierte, Betroffene sowie Ärzte unter der kostenfreien, zentralen Rufnummer 0800/1 80 21 74.

Weitere Informationen: MHH-Klinik für Neurochirurgie unter Telefon 0511-532-2030/2013 oder -532-6651/6652.

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