Ärzte Zeitung, 10.12.2007
 

Kombitherapie punktet bei Divertikulitis

Mit Antibiotikum plus Mesalazin werden Patienten meist beschwerdefrei  / Bei Komplikationen ist Op angesagt

NÜRNBERG (eim). Divertikulose und Divertikulitis werden heutzutage mit Schnittbildverfahren wie Ultraschall und einer vollständigen Koloskopie diagnostiziert. Kolonkontrasteinläufe sollten der Vergangenheit angehören. Bei schmerzhafter Divertikulitis ist eine Kombination aus einem Antibiotikum und Mesalazin günstig.

Um bei Patienten mit bereits bekannter Divertikulose Komplikationen vorzubeugen, sind eine ballaststoffreiche Ernährung und Mobilität bei asymptomatischen Divertikeln zu empfehlen. Daran erinnerte Professor Wolfgang Kruis aus Köln auf dem von der Falk Foundation unterstützten Gastro-Forum in Nürnberg. Körperliche Aktivität etwa könne das Risiko einer Divertikulitis bei älteren Menschen um die Hälfte reduzieren.

Schnittbildtechniken sind wichtig für die Diagnose

Besteht der Verdacht auf Divertikulitis, sind außer der Endoskopie Schnittbildtechniken die wichtigsten diagnostischen Verfahren. Dadurch können zum einen der Entzündungsgrad, zum anderen bestehende Komplikationen wie Eiterabfluss und Blutungen aus Divertikeln oder auch Abszesse festgestellt werden.

Bei schmerzhafter Divertikulitis wirkt Mesalazin plus ein Antibiotikum offenbar besser als nur eine Antibiose. Das hat eine Placebo-kontrollierte Studie mit 218 Patienten ergeben, die eine rezidivierende Diverkulitis hatten. Zwölf Monate für jeweils eine Woche pro Monat erhielten die Patienten entweder täglich Rifaximin (in Deutschland noch nicht auf dem Markt) plus dreimal täglich 1 g Mesalazin. Die Patienten in der Kontrollgruppe erhielten das Antibiotikum plus Placebo.

Kombitherapie ist effektiver als nur Antibiotikum

Die Symptome nahmen in beiden Gruppen ab. Jedoch waren in der Kombitherapie-Gruppe nach drei Monaten 40 Prozent der Patienten symptomfrei, mit der Monotherapie waren es nur 17 Prozent. Und: Nach einem Jahr Therapie mit dem Antibiotikum und Mesalazin (vom Unternehmen als Salofalk® angeboten) hatten 86 Prozent keine Beschwerden mehr im Vergleich zu 49 Prozent in der Kontrollgruppe.

Sollten die Divertikulitis-Schübe wieder auftreten, könne man den Patienten erneut mit Medikamenten behandeln, so Kruis. Bei Komplikationen sollten sie jedoch zur Operation eingewiesen werden. Eine eindeutige Indikation zur Operation bestehe bei Patienten mit Perforation, bei nicht beherrschbarer Blutung oder klinisch relevanter Stenose sowie bei Patienten mit toxischem Kolon.

Weitere Informationen zu Divertikulitis gibt es im Internet unter www.aerztezeitung.de; als Suchbegriff "Divertikulitis" eingeben.

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