Ärzte Zeitung, 03.06.2008

Gastroparese? Diagnose gelingt mit Magenkapsel

Mit Mini-Gerät lässt sich Magenentleerung bestimmen

DÜSSELDORF (eis). Eine unverdaubare Kapsel mit Sensoren für pH-Wert und Temperatur ist zur Diagnostik bei Patienten mit Verdacht auf Gastroparese geeignet. Aufwand und Risiken der Methode sind dabei geringer als beim bisherigen Goldstandard Szintigrafie, wurde beim Diabetes Update in Düsseldorf berichtet.

Die Magenkapsel misst pH-Wert und Temperatur. Sie könnte sich als Alternative zur Szintigrafie etablieren.

Foto: SmartPill Corporation

Die Diagnostik einer Gastroparese ist häufig schwierig, weil bei vielen Patienten die typischen gastrointestinalen Leitsymptome fehlen. Dazu gehören Übelkeit, Erbrechen, postprandiales Völlegefühl und epigastrische Schmerzen. Das liegt möglicherweise daran, dass bei autonomer Neuropathie afferente viszerale Nervenfasern im Gastrointestinaltrakt geschädigt sind, hat Professor Dan Ziegler berichtet.

Als diagnostischer Goldstandard bei Verdacht auf Gastroparese gilt die Magenentleerungs-Szintigrafie. Die Methode sei jedoch aufgrund des Geräte-Aufwands oft nicht verfügbar, teuer und mit Strahlenexposition verbunden, sagte der Neuropathie-Experte vom Institut für klinische Diabetologie am Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf.

Eine neue Methode zur Bestimmung der Magenentleerung ist die sogenannte SmartPill®. Die unverdaubare Kapsel wird von Patienten mit 50 ml Wasser aufgenommen. Während des Transits durch den Gastrointestinaltrakt misst das System den luminalen pH-Wert sowie die Temperatur- und Druckverhältnisse. Die Dauer der Magenentleerung lässt sich mit den Messdaten ermitteln, wie eine Vergleichsstudie mit der Szintigrafie ergeben hat.

In der Studie wurden 87 gesunde Probanden und 61 Patienten mit Gastroparese mit beiden Methoden untersucht (Aliment Pharmacol Ther 15, 2008, 186). Mit der SmartPill® habe sich zwischen Patienten mit Gastroparese und Kontrollpersonen unterscheiden lassen, sagte Ziegler. Die Methode könnte sich als Alternative zur Szintigrafie etablieren.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.smartpillcorp.com

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »