Ärzte Zeitung, 13.06.2008

Mentales Training bessert Geschick von Chirurgen

Ärzte operieren in Gedanken

BERLIN (gvg). Hirn-Jogging hilft nicht nur gegen Demenz: Chirurgen, die in einem Laparoskopie-Trainingsprogramm Operationen in Gedanken durchgehen, operieren besser als jene, die nur praktische Übungen machen.

Das zeigt eine randomisiert-kontrollierte Studie, die Marc Immenroth von dem Unternehmen Johnson&Johnson beim Berliner Hauptstadtkongress vorgestellt hat. An der Untersuchung, die in der Fachzeitschrift "Annals of Surgery" publiziert wurde, nahmen 98 Chirurgen teil, die an dem von Johnson&Johnson unterstützten European Surgical Institute in Hamburg einen Laparoskopiekurs belegt hatten.

Ein Drittel der Chirurgen machte das dort übliche Standardtraining, bei dem in diesem Falle eine laparoskopische Cholezystektomie an verschiedenen Modellen geübt wurde. Ein Drittel der Chirurgen belegte zusätzlich zum Standardtraining ein mentales Training. Und ein weiteres Drittel nahm stattdessen an einer zusätzlichen praktischen Übungseinheit ohne mentales Training teil.

"Das mentale Training bestand in einem bewussten und wiederholten Vorstellen der einzelnen Operationsschritte und Bewegungen, ohne diese Tätigkeiten jedoch tatsächlich praktisch durchzuführen", so Immenroth. Jeder Chirurg erhielt für neunzig Minuten einen persönlichen Mentaltrainer, der die Cholezystektomie mit ihm in Gedanken Schritt für Schritt durchging. Die Bewertung der individuellen OP-Performance an einem Pelvi-Trainer-Simulator erfolgte in allen drei Gruppen durch externe Experten anhand von Videoaufzeichnungen und mit Hilfe standardisierter Bewertungsskalen. Das "Gehirnjogging" zeigte Wirkung. Nicht nur schnitten die Probanden in der Gruppe mit mentalem Training besser ab als jene in der Kontrollgruppe. Sie waren auch statistisch signifikant besser als jene, die statt des mentalen Trainings eine zusätzliche praktische Übungseinheit absolviert hatten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »