Ärzte Zeitung, 04.11.2008

Kein Screening mit CT-Koloskopie

Von Jürgen F. Riemann

Kein Screening mit CT-Koloskopie

Professor Jürgen F. Riemann ist Vorsitzender der Stiftung LebensBlicke und der Gastro-Liga.

Foto: Berufsverband Deutscher Internisten e. V.

In ihrer hochrangigen Publikation stellen Dr. Daniel Johnson und Mitarbeiter erneut die Frage nach der Zuverlässigkeit der Methode in der Aufdeckung großer Adenome und Karzinome beim Screening einer asymptomatischen Bevölkerung. In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass die CT-Koloskopie mit einer Sensitivität von 90 Prozent Personen mit großen Adenomen und Karzinomen erfasst. 10 Prozent wurden im Vergleich zur konventionellen Koloskopie übersehen. Die Radiologen in dieser nationalen, vom American College of Radiology Imaging Network unterstützen Studie hatten zuvor ihre Qualifikation nachweisen müssen.

In Deutschland ist die konventionelle Koloskopie seit 2002 in die GKV als Vorsorgeleistung eingeführt. Die Teilnahmerate liegt noch unter den Erwartungen, ist aber verbesserungsfähig. So wundert es nicht, dass neue Methoden und andere Disziplinen dieses lukrative Feld erobern wollen. Sicher muss es das Ziel aller Vorsorgebemühungen sein, einen großen Personenkreis einschließlich der Risikogruppen zu erfassen. Dies kann nur dann gelingen, wenn eine individuelle Angebotspalette vorliegt, aus der der Berechtigte eine Auswahl treffen kann.

Ziel sollte auch sein, die Koloskopie nur noch auf therapeutische Interventionen zu fokussieren und die unauffälligen Personen durch effiziente, aber weniger aufwändige Tests herauszufiltern. Die CT-Koloskopie ist prinzipiell dazu in der Lage, hat aber drei entscheidende Nachteile: Die kumulierte Strahlenbelastung (Nachuntersuchungen eingeschlossen) ist für ein Screening-Verfahren nicht akzeptabel, die Rate falsch-negativer Befunde ist relativ hoch und die Einschätzung von Läsionen unter 10 mm bedenklich niedrig. Vor allem wegen der Strahlenexposition ist eine Einführung der CT-Koloskopie zum Screening bei uns auch nach Aussagen von Strahlenschutzexperten nicht zu erwarten, solange andere effiziente Verfahren zur Verfügung stehen. Den Radiologen ist sicher zu dieser gut gemachten Studie zu gratulieren. Einen Einfluss auf unsere Vorsorgestrategien wird sie sicher nur bedingt haben.

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