Ärzte Zeitung online, 31.12.2009

Fettleber: Fatigue, Schläfrigkeit und Stürze sind häufig

HANNOVER (gvg). Bei Patienten mit nicht-alkoholischer Fettleber konzentrieren sich Kollegen allzu oft zu sehr auf die Lebererkrankung. Häufige nicht leberspezifische Symptome, etwa eine Fatigue oder ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, werden dabei oft übersehen.

Fettleber: Fatigue, Schläfrigkeit und Stürze sind häufig

Gefährliche Schläfrigkeit kann auch Folge einer nicht-alkoholischen Fettleber sein.

Foto: © sth / Ärzte Zeitung

An der Universität von Newcastle beschäftigt sich Professor Julia Newton seit Jahren mit den klinischen Folgen der nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD). Die Rede ist dabei nicht von hepatischen Komplikationen im weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadium, sondern von frühen Symptomen, die die Patienten im ganz normalen Alltag beeinträchtigen. "Die meisten dieser Symptome korrelieren schlecht oder gar nicht mit dem histologischen Schweregrad der Lebererkrankung. Sie sind nichtsdestotrotz vorhanden und sollten vom behandelnden Arzt erkannt und therapeutisch angegangen werden", betonte Newton bei der Falk Leber-Konferenz in Hannover. Umgekehrt bedeutet die fehlende Korrelation zwischen Symptomen und Histologie auch, dass die Beschwerden nicht zwangsläufig besser werden, wenn sich die NAFLD bessert. "Auch hier gilt: Den Patienten anschauen, nicht nur die Leber", betonte Newton.

Fatigue-Symptome sind häufig

In ihrer Leberfachklinik in Newcastle kann die Expertin auf eine Datenbank zurückgreifen, in der die Daten von über 200 Patienten gesammelt sind, deren NAFLD in Leberbiopsien zweifelsfrei nachgewiesen ist. "Am meisten Probleme machen den NAFLD-Patienten unserer Erfahrung nach die Fatigue-Symptome", betonte Newton. Rund die Hälfte der in die Leberfachklinik eingewiesenen Patienten weist auf standardisierten Fatigue-Scores eine ausgeprägte Symptomatik auf. "Das ist ähnlich viel wie bei anderen Lebererkrankungen oder wie bei Patienten mit Nierenerkrankungen", so die Expertin.

Wie immer bei Fatigue-Problemen sollten in einem ersten Schritt Ursachen abgeklärt werden, die therapeutisch beeinflussbar sind. Im Zusammenhang mit Lebererkrankungen ist hier unter anderem an einen unerkannten Diabetes mellitus und an Blutdruckprobleme durch die mit Lebererkrankungen einhergehende autonome Dysfunktion zu denken. Aber auch ganz andere Ursachen, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion, sollten in Erwägung gezogen werden.

Exzessive Tagesschläfrigkeit ist Newtons Erfahrungen zufolge ebenfalls ein häufiges Problem bei NAFLD-Patienten. "Modafinil ist hier für viele eine hilfreiche Therapieoption", sagte Newton. Doch auch bei der Tagesschläfrigkeit gilt: Andere Ursachen abklären! So habe in der Newcastle-Datenbank etwa die Hälfte der NAFLD-Patienten ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, bei dem eine CPAP-Behandlung (Continuous Positive Airway Pressure) indiziert ist.

Synkopen und Schwindel machen auch zu schaffen

Außer mit Fatigue-Problemen kann die autonome Dysfunktion bei NAFLD-Patienten auch mit anderen vegetativen Symptomen einhergehen, darunter Synkopen und orthostatischer Schwindel. "Beides ist bei NAFLD hoch signifikant häufiger als bei gesunden Kontrollpatienten", sagte Newton. Mögliche Ursache ist eine als Folge der autonomen Dysfunktion gestörte Blutdruckregulation. Klinisch spiegelt sich das in einer erhöhten Sturzneigung der Patienten wider. "NAFLD-Patienten berichten dreimal häufiger über wiederholte Stürze in den letzten fünf Jahren als altersgleiche Kontrollpatienten", so Newton. Entsprechend komme es häufiger zu Verletzungen, öfter zum Aufsuchen der Notaufnahme und zu Klinikeinweisungen und häufiger zu Frakturen.

All diese Symptome zusammen führen bei NAFLD-Patienten zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität: Sie berichten in standardisierten Fragebögen bei Tätigkeiten des täglichen Lebens über ähnlich starke Einschränkungen wie Patienten mit Rheumatoider Arthritis. "Und wie bei Rheuma gilt auch bei NAFLD: Viele dieser Probleme lassen sich lösen, wenn der Arzt sie ernst nimmt und anspricht", so Newton.

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