Ärzte Zeitung online, 07.10.2010

Der Überaktivität von Mastzellen auf der Spur

BONN (eb). Mutationen können zur Mastzellerkrankung führen. Bei vielen Patienten ist ein Wachstumsrezeptor dieser wichtigen Immunzellen verändert.

Eine Überaktivität von Mastzellen kann zu einer schweren chronischen Erkrankung führen. Ein Forscherteam unter Federführung von Ärzten der Universität Bonn hat nun verschiedene Mutationen identifiziert, die zu dieser Überfunktion führen können. Diese äußert sich häufig in Bauchschmerzen, Krämpfen und Durchfällen bis hin zu Symptomen einer massiven Darmentzündung (Immunogenetics online). Das Projekt wurde unter anderem von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Das Team um Professor Gerhard J. Molderings hat einen wichtigen Wachstumsrezeptor der Mastzellen unter die Lupe genommen, die so genannte Tyrosinkinase Kit. Die Forscher untersuchten dazu 20 Patienten mit typischen Symptomen einer Mastzellüberaktivität sowie eine ebenso große Kontrollgruppe. Aus dem Blut ihrer Probanden isolierten sie unreife Mastzellen. Daraus gewannen sie dann die Erbinformation für den Wachstumsrezeptor. Dabei fielen bei den Erkrankten charakteristische Veränderungen auf, die bei den Gesunden nicht auftraten.

Mastzellen sind Zellen unseres Immunsystems, die sich in allen Geweben und Organen finden. Sie speichern eine Vielzahl von Botenstoffen. Bei Kontakt mit Viren, Bakterien, Parasiten oder auch Allergenen können sie damit eine Immunreaktion einleiten, verstärken und die Körperabwehr koordinieren. "Die von uns entdeckten Mutationen in den Erbanlagen des Wachstums-Rezeptors führen vermutlich dazu, dass die betroffenen Mastzellen ohne Anlass aktiv werden", erläutert Molderings in einer Pressemitteilung der Universität. "Sie brauchen dann keinen Kontakt zu Auslösereizen mehr, um sich zu vermehren und Immunreaktionen einzuleiten." Bei einer solchen Mastzellüberaktivitätserkrankung können diese fehlerhaften Zellen im Darm mit ihrem Arsenal an chemischen Stoffen dann die Schmerzen, Darmkrämpfe oder Verdauungsstörungen verursachen, unter denen die Betroffenen leiden.

Mittelfristig wollen die Forscher nun einen so genannten Genchip entwickeln. Damit ließen sich diese und andere bereits bekannte Mutationen als Indikatoren für Mastzellerkrankungen schnell und zuverlässig identifizieren. Die Forscher hoffen, zudem dass ihre Ergebnisse auch zu neuen Therapieansätzen führen werden. Gerade angesichts der Häufigkeit von systemischen Mastzellüberaktivitätserkrankungen seien bessere Behandlungsmöglichkeiten enorm wichtig, betont Molderings. "Denn heute führen diese Erkrankungen nicht selten in die Invalidität."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Zwei Gläser Wein? Das lass lieber sein!

Wer täglich mehr als zwei Gläser Wein leert, hat ein erhöhtes Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Ob ein Komplettverzicht ratsam ist, bereitet Forschern noch Kopfzerbrechen. mehr »

Warum der Brexit körperlich krank macht

Übelkeit und Kurzatmig: Blogger Arndt Striegler hat mit seiner Hausärztin über seinen Gesundheitszustand und den Austritt aus der EU geredet – und einen Zusammenhang am eigenen Leib festgestellt. mehr »

Nach der Wahl muss Vernetzung auf die Agenda!

Gesundheitsminister Gröhe gibt einen Ausblick auf die nächste Legislaturperiode: Die stärkere Vernetzung der Akteure müsse dann höchste Priorität haben. Der Innovationsfonds soll zur Dauereinrichtung werden. mehr »