Ärzte Zeitung, 06.03.2012

Laktulose und Antibiotika gegen Fahrfehler

Laktulose und Antibiotika können dazu beitragen, Fahrfehler zu vermeiden

Schon im Zirrhose-Frühstadium kann die Fahrtüchtigkeit gemindert sein. "Wir müssen den Patienten vermitteln, dass sie sich selbst und andere gefährden, wenn sie ihre Erkrankung ignorieren", sagt Professor Joachim Mössner.

WIESBADEN (eb). Viele Patienten mit Leberzirrhose entwickeln eine hepatische Enzephalopathie. Sie beginnt meist schleichend. Anfangs ist die Konzentration gestört, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit lassen nach.

Oft ist auch die Feinmotorik gestört; dies zeigt sich am starken Zittern der Hände. Bereits im Frühstadium sei bei vielen Patienten auch die Fahrtüchtigkeit herabgesetzt, erinnert Professor Dieter Häussinger von der Universität Düsseldorf.

"Unsere Studien haben gezeigt, dass Menschen mit hepatischer Enzephalopathie häufiger Fahrfehler begehen als andere, jedoch kann im Einzelfall die Fahrtauglichkeit trotzdem erhalten sein", wird Häussinger in einer Mitteilung der DGIM vorab zum Internistenkongress zitiert.

DGIM 2012

Neueste Erkenntnisse aus der Hepatologie sind ein Thema des 118. Internistenkongresses , der vom 14. bis 17. April 2012 stattfindet.

Veranstaltungstipp: Montag, 16. April, 16.00 bis 17.30 Uhr, Halle 4, "Leberzirrhose und ihre Komplikationen": eines der Themen: Enzephalopathie; D. Häussinger (Düsseldorf); www.dgim2012.de

Häussinger wird im Rahmen des Internistenkongresses die von ihm geleiteten Sonderforschungsbereiche 575 "Experimentelle Hepatologie" und 974 "Leberschädigung und Regeneration " sowie die Klinische Forschergruppe 217 "Hepatobiliärer Transport" vorstellen.

Für den Experten steht fest, dass die hepatische Enzephalopathie für viele Verkehrsunfälle verantwortlich ist, auch wenn die Erkrankung in den Unfallstatistiken praktisch nicht auftaucht: "Exakte Zahlen über Verkehrsunfälle von Leberkranken gibt es in Deutschland nicht."

Zwar machen Leitlinien für Erkrankungen wie Diabetes oder Epilepsie klare Vorgaben zur Teilnahme am Straßenverkehr. Leberzirrhosepatienten sind nach derzeitiger Gesetzeslage nur bei "Dekompensation mit Bauchwasserbildung" fahruntüchtig.

"Als Ärzte müssen wir dieses Problem wahrnehmen und den Patienten vermitteln, dass sie sich selbst und andere gefährden, wenn sie ihre Erkrankung ignorieren", sagt DGIM-Präsident Professor Joachim Mössner vom Universitätsklinikum Leipzig.

Oft sehen Patienten dies jedoch nicht ein. Auch dies könnte Folge der schleichenden Hirnvergiftung sein, die häufig mit einer Wesensveränderung einhergeht.

"Wir raten Patienten dringend, die Erkrankung frühzeitig zu behandeln. Eine effektive Therapie ist heute durch Laktulose und Antibiotika möglich", so Mössner.

Laktulose begünstigt das Wachstum von Darmbakterien, die Milchsäure statt Ammoniak produzieren. Laktulose beschleunigt zudem die Darmpassage und führt zu einer osmotischen Diarrhoe. Dadurch bessere sich der Schweregrad der Enzephalopathie.

Bei akutem Eiweißanfall im Darm, etwa durch Blutungen, helfen auch Laktuloseeinläufe. "Diese wirken wahrscheinlich eher über das Hervorrufen der Diarrhoe als über Stimulation der Laktobazillen", wird Mössner zitiert. Ein Antibiotikum tötet schließlich die schädlichen Darmbakterien gezielt ab.

Beide Mittel gelangen nicht vom Darm ins Blut. "Die Therapie kann ohne größere Risiken über längere Zeit fortgesetzt werden", erinnert Mössner. Eine frühe Therapie sei vor allem deshalb wichtig, weil die Hirnschäden oft nicht umkehrbar sind - und auch die Fahrtauglichkeit gehe dauerhaft verloren.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Häufiger Anaphylaxie unter Erdnuss-Immuntherapie

Schlechte Nachrichten für Patienten mit Erdnuss-Allergie: Einer Meta-Analyse zufolge traten unter einer oralen Immuntherapie bei Kindern deutlich mehr allergische Reaktionen auf. mehr »

Unterschiedliche Positionen zur Impfpflicht

Im internationalen Vergleich steht Deutschland in Sachen Masern-Impfschutz gar nicht so schlecht da. Ein Grund, sich auszuruhen, ist das nicht, meinen Ärztevertreter. Doch wie weit sollte eine Impfpflicht gehen? mehr »

Honorar für Leichenschau soll mehr als verdoppelt werden

Eine Arztstunde für rund 220 Euro: Gesundheitsminister Jens Spahn plant eine Neubewertung der Leichenschau in der GOÄ ab 2020. Bei den Ärzten stößt er damit auf Gegenliebe. mehr »