Ärzte Zeitung, 18.01.2013
 

Diät oder Serotonin

Reizdarm schwächt die Knochen

Ob und in welchem Maß ein Reizdarmsyndrom das Risiko erhöht, eine Osteoporose zu entwickeln, haben jetzt US-Forscher untersucht.

Von Robert Bublak

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Unangenehmer Sitz.

© Sinisa Botas / shutterstock

EVANSTON / USA. Laut den Ergebnissen einer Studie unter der Leitung von Derrick Stobaugh, North Shore University Health System in Evanston (Illinois), tragen Patienten mit Reizdarmsyndrom (RDS) im Vergleich zu Personen ohne RDS ein mehr als vierfach höheres Risiko, an Osteoporose zu erkranken (Odds Ratio [OR] 4,28) (Osteoporos Int 2012, online 20. September).

Dadurch bedingte Frakturen weisen sie mehr als doppelt so häufig auf (OR 2,36). Besonders oft brechen sie sich die Handgelenke (OR 2,41).

Stobaugh und sein Team hatten für ihre Untersuchung auf die Datensammlung des Nationwide Emergency Department Sample (NEDS) zurückgegriffen. In ihr sind mehr als 28 Millionen Fälle von Patienten verzeichnet, die in einer Notaufnahme versorgt werden mussten.

Knapp 320.000 der Behandelten wiesen eine RDS-Diagnose auf, rund 18.000 von ihnen litten zudem an Osteoporose. Pathologische Frakturen des Handgelenks, der Hüfte oder eines Wirbels waren bei etwa 700, traumatische Brüche bei 1500 Patienten festgestellt worden.

Das Osteoporoserisiko, das mit einer RDS-Diagnose einherging, übertraf jenes von Morbus-Crohn- und Colitis-ulcerosa-Patienten (OR 2,85 bzw. 3,62). Eine Zöliakie war indessen noch häufiger mit verminderter Knochendichte assoziiert (OR 6,41).

Ähnlich verhielt es sich bei der durch Osteoporose bedingten Frakturgefahr. Auch hier waren Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa weniger und Zöliakiepatienten häufiger betroffen als solche mit RDS.

Weniger klar als die Zahlenverhältnisse sind die Ursachen für die erhöhte Osteoporosegefahr unter RDS. Eine der Hypothesen zielt auf eine erhöhte Serotoninaktivität ab, die den Knochenaufbau hemmt.

Möglich ist auch, dass diätetische Restriktionen wie ein Laktoseverzicht - oft in Eigenregie der Patienten vorgenommen - die Kalziumaufnahme einschränken.

Drittens könnten zirkulierende Zytokine wie TNF-alpha eine Rolle spielen. Jedenfalls ist bereits gezeigt worden, dass die CED-Behandlung mit Infliximab, einem TNF-alpha-Hemmer, die Knochendichte erhöht.

Fazit: RDS-Patienten laufen erhöhte Gefahr, an Osteoporose zu erkranken. "Es ist daher zu empfehlen", resümieren die Autoren der Studie, "die Betroffenen einem entsprechenden Screening zu unterziehen."

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