Ärzte Zeitung, 30.05.2014

Chirurgie

Mehrschicht-CT hilft bei Appendizitis

Schon vor der Blinddarm-Op könnten Chirurgen wissen, was sie erwartet - und wie sie am besten operieren. Radiologen schlagen für Zweifelsfälle eine rasche Mehrschicht-CT vor.

Von Gabriele Wagner

appendizitis-ct-AH.jpg

Appendizitis bei einem 12-jährigen Jungen. In der CT-Aufnahme mit Kontrastmittelsieht man das "Pfeilkopfzeichen" (weißer Pfeil) an der Basis der entzündeten Appendix.

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg; DOI 10.1007/174_2011_226

HAMBURG. Bei rechtsseitigen Bauchschmerzen, womöglich mit Fieber und Entzündungszeichen im Labor, ist Ultraschall eine schnelle und rasch verfügbare Methode, um die Verdachtsdiagnose Appendizitis zu erhärten.

Trotzdem kann es intraoperativ böse Überraschungen geben, wenn zum Beispiel das Ausmaß der Entzündung nicht klar war, weil die Bedingungen für die Sonografie ungünstig waren. Für Chirurgen, die inzwischen überwiegend minimal-invasiv appendektomieren, kann das dann heißen, auf die offene konventionelle Op umsteigen zu müssen.

Der Radiologe Dr. Murat Karul vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf kennt solche Probleme. "Im Studium habe ich gelernt, dass Appendizitis eine klinische Diagnose ist", sagte er am Mittwoch bei der Eröffnung des 95. Röntgenkongresses in Hamburg.

Körperliche Untersuchung, Labor und eventuell Ultraschall würden alles "klar machen". Doch dann kamen die Nachtdienste, und Karul stellte fest, dass Chirurgen sich mitunter gar nicht so sicher waren - was auch daran liegt, dass eben ein Drittel aller Patienten mit Appendizitis keine eindeutig klinischen Zeichen haben.

So wurde die Idee zu der CT-Studie geboren. Karul ging es auch darum zu prüfen, ob es präoperativ mehr diagnostische Sicherheit geben könnte, auch in Hinblick auf das optimale Operationsverfahren.

Karul und seine Kollegen verglichen bei den 76 Studien-Patienten die Befunde der präoperativen Mehrschicht-CT (genannt auch Multidetektor-CT, MDCT) mit Kontrastmittel dann postoperativ mit den Diagnosen der Pathologen.

Überraschungen bei Schwangeren

Außerdem wurde der präoperativ bestimmte Entzündungsparameter CRP (C-reaktives Protein) mit den Befunden korreliert. Die Pathologen unterschieden drei Schweregrade: Grad 1 für leichte Entzündung (n=49), Grad 2 für mittelschwere Entzündung (n=5) und Grad 3 bei Perforationen mit einem perityphlitischen Abszess. (n=22).

Vor allem für die Grade 1 und 3 wurde eine gute Sensitivität mit jeweils rund 86 Prozent gefunden. Lediglich beim Grad 2 lag die Sensitivität im Vergleich zur histopathologischen Diagnose bei nur 40 Prozent.

Zusätzliche diagnostische Sicherheit gibt die Korrelation mit dem CRP-Wert. In seiner Studie stellte Karul fest, dass ein Schwellenwert ab 72 mg/l Serum mit einer schwerwiegenden Appendizitis korreliert.

Karul empfiehlt daher, bei allen Patienten mit Verdacht auf eine akute Appendizitis und einem CRP über 72 mg/l eine Kontrastmittel-MDCT machen zu lassen. Die Untersuchung selbst dauert etwa acht Sekunden, die Begutachtung der Bilder einige wenige Minuten. Zeit wird also nicht verloren.

Und was ist mit der Strahlenbelastung? Die liegt bei solchen MDCT-Untersuchungen im Mittel bei etwa 5,7 Millisievert (mSv), wie Karul sagte. Zum Vergleich: Die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland liegt im Mittel bei etwa 2,1 mSv jährlich. Die Patienten in der Hamburger Studie waren im Schnitt 58 Jahre alt.

Für Schwangere oder Kinder und Jugendliche empfiehlt Karul jedoch eine MRT. Denn auch damit sind die typischen Zeichen einer Appendizitis gut zu sehen.

Vor allem bei Schwangeren gibt es mitunter Überraschungen: Karul zeigte das MRT-Bild einer Schwangeren mit rechtsseitigen Oberbauchbeschwerden. Es handelte sich um eine akute Appendizitis. Der Uterus hatte Darm und Appendix nach oben gedrängt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »