Ärzte Zeitung online, 17.11.2014

Reizdarm

Neuer Test sorgt endlich für Ruhe im Bauch

Bei Reizdarmpatienten verursachen oft bestimmte Lebensmittel die Beschwerden. Welche genau, lässt sich meist nicht so leicht klären. Kieler Forscher haben jetzt eine neue Methode entwickelt.

Von Thomas Müller

Neuer Test sorgt endlich für Ruhe im Bauch

Reizdarmpatienten leiden oft wegen Nahrungsmittelunverträglichkeiten an Schmerzen.

© Ana Blazic / iStock / Thinkstock

KIEL. Viele Reizdarmpatienten werden trotz unzähliger Tests und Diäten ihre Beschwerden nicht los, ein Teil der Betroffenen vermutet aber bestimmte Nahrungsmittel als Trigger. Ob bei solchen Patienten tatsächlich Nahrungsbestandteile die Beschwerden auslösen, das lässt sich inzwischen mit der konfokalen Endomikroskopie eindrucksvoll zeigen.

Ein Team der Abteilung "Experimentelle Endoskopie" der Universität in Kiel hat das Verfahren bei 36 Reizdarmpatienten geprüft, die bestimmte Nahrungsmittel als Trigger vermuteten - bei ihnen setzten die Beschwerden oft kurz nach einer Mahlzeit ein. Alle waren moderat bis schwer erkrankt und litten seit mindestens einem Jahr täglich unter den Symptomen. Als Kontrollen dienten zehn Patienten mit Barrett-Ösophagus.

Akutreaktionen sichtbar gemacht

Bei der Endomikroskopie tastet ein Laserstrahl die Gewebeoberfläche ab, ein Mikroskop an der Spitze des Endoskops erzeugt daraus ein stark vergrößertes Graustufenbild. Dadurch lässt sich die histologische Beschaffenheit des Darms im Detail und in situ untersuchen: Zellen und Bakterien werden sichtbar, aber auch die Beschaffenheit des Epithels.

Mit dieser Technik konnten die Wissenschaftler um Dr. Annette Fritscher-Ravens eine Art Prick-Test für den Darm etablieren (Gastroenterology 2014;147:1012-1020): Sie leiteten über den Arbeitskanal des Endoskops eine Lösung mit vier häufigsten unverträglichen Nahrungsmitteln (Kuhmilch, Soja, Hefe und Weizen) und eine Placebo-Lösung direkt auf die duodenale Mukosa. In den folgenden Minuten dokumentierten sie dann die Akutreaktionen an den exponierten Stellen.

Zum einen bestimmten sie dafür die Dichte der intraepithelialen Lymphozyten, zum anderen erfassten sie Lecks im Epithel, indem sie den Patienten zuvor den Farbstoff Fluoreszein verabreichten. Strömt dieser in das Darmlumen, leuchtet er im Laserlicht auf. Schließlich bestimmten sie auch den Abstand der Darmvilli vor und nach der Exposition. Vergrößert sich dieser, ist auch dies ein Zeichen einer epithelialen Schädigung.

Akutreaktion innerhalb von Minuten sichtbar

Konnten die Forscher bei mindestens zwei der drei Parameter eine deutliche Reaktion feststellen oder war sogar makroskopisch eine Veränderung erkennbar, werteten sie dies als positiven Befund. Wie sich herausstellte, zeigten 22 der 36 Reizdarmpatienten innerhalb von wenigen Minuten eine Akutreaktion auf mindestens eine der Testlösungen.

Bei solchen Reaktionen stieg in der Regel zunächst die Zahl der Lymphozyten im Epithel drastisch an, dann brach das Epithel an den apikalen Positionen der Villi auf, worauf die Fluoreszein-haltige Flüssigkeit aus dem Gewebe "in einer Vulkan-artigen Eruption" ins Darmlumen schoss, beschreiben die Internisten ihre Eindrücke.

Dreizehnmal reagierten Patienten entsprechend auf Weizen, neunmal auf Milch, sechsmal auf Hefe und viermal auf Soja. Die Untersuchung scheint damit den Verdacht zu bestätigen, dass bei vielen Reizdarmpatienten Gluten ein Auslöser der Beschwerden ist.

Bei 14 Reizdarmpatienten und allen zehn Kontrollen beobachteten die Forscher hingegen keine auffälligen Reaktionen auf die Testlösungen.

Beschwerden verschwinden mit spezieller Diät

Denjenigen mit positivem Befund wurde anschließend eine Diät ohne die jeweils triggernden Nahrungsmittel empfohlen, wohingegen allen mit negativem Befund keine speziellen Empfehlungen zur Ernährung bekamen. Bereits nach vier Wochen waren die Beschwerden unter der Spezialdiät bei 19 von 22 Patienten um mehr als 50% zurückgegangen, bei sechs Patienten waren sie sogar ganz verschwunden.

Ein halbes Jahr später hatten sich die Werte auf Symptomskalen im Schnitt um drei Viertel gebessert, und nach einem Jahr war dieser Erfolg erhalten geblieben, sodass die Forscher einen reinen Placeboeffekt der Diät ausschließen.

Bei den Patienten ohne Diät war es im Laufe des folgenden Jahres hingegen zu keiner persistierenden Symptomlinderung gekommen.

Vorher oft falsche Diagnosen erhalten

Gerade für Reizdarmpatienten, bei denen bisherige Untersuchungen wenig aussagekräftig waren, sei die konfokale Endomikroskopie ein vielversprechender Ansatz, um eine Überempfindlichkeit oder Allergie auf Nahrungsmittel nachzuweisen. Viele dieser Patienten litten über Jahre hinweg unter den Beschwerden und erhielten oft die falschen Diagnosen, schreiben Fritscher-Ravens und Mitarbeiter.

Sie gehen allerdings davon aus, dass außer den vier getesteten Nahrungsmitteln auch noch andere Auslöser infrage kommen und somit noch bei deutlich mehr Reizdarmpatienten eine Nahrungsmittel-Überempfindlichkeit nachgewiesen werden kann.

[17.11.2014, 07:59:02]
Petra Janine Dröscher 
Ösophagus (= Nicht-kardiologische Brustschmerzen)
Sehr geehrte, werte Damen und Herren Patient/innen !

Immer wieder bekommen betroffene Patient/innen Panik und Angst, wenn Sie Schmerzen in der Brustgegend verspüren, die eine Brustkorbenge und unangenehme Druckgefühle assoziieren.
Aufgrung dieser vorbenannt geschilderten Symptome liegt es dann für Sie dann schnell Nahe, unter einer riskanten kardiologischen Erkrankung zu leiden; zumal, wenn die Schmerzen in den Arm ausstrahlen.

Bei einer angemessenen Anamnese stellt sich dann bei der eingehenden Diagnostik heraus, dass die Betroffenen unter Magen- und Darmbeschwerden leiden, oftmals aufgrund von Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien ausgelöst.
Man spricht dann auch von einem "Reizdarmsyndrom", welches nicht in sich selbst, aber seine Symptome behandelbar bzw. linderbar sind.
Oftmals tritt schon eine sehr grosse Besserung der Beschwerden ein, wenn die betroffenen Patient/innen bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser, wie z. B. Milch, Weizen, Hefe und Soja ... meiden.

Dank weiterer erfolgsversprechender Forschungen und immer präziser umsetzbarer endoskopischer Untersuchungsmöglichkeiten und Tests, wird es vielleicht schon - in naher Zukunft - positive internistische Ergebnisse geben.

Mit freundlichen Grüßen,

Frau Petra J. Dröscher,
Autorin, Wiesbaden
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