Ärzte Zeitung, 25.03.2015

Blinddarmentzündung

Kombi erleichtert Diagnostik

Klinische Parameter oder eine Ultraschall-Untersuchung allein bringen nicht unbedingt Klarheit darüber, ob ein Kind an einer Appendizitis leidet oder nicht. In Kombination sind beide Methoden unschlagbar.

Von Robert Bublak

Kombi erleichtert Diagnostik

Abwehrspannung im rechten unteren Quadranten. Ist es eine Appendizitis?

© dalaprod / fotolia.com

BOSTON. Für die Entscheidung der Frage, ob ein Kind an einer Appendizitis leidet oder nicht, gibt es Diagnose-Scores, die sich klinischer Parameter bedienen.

Allerdings ist ihr Nutzen begrenzt. Ähnliches lässt sich von der Ultraschall-Diagnostik sagen, deren Sensitivität und Spezifität ebenfalls nicht optimal sind.

Was die Kombination beider Vorgehensweisen zu leisten vermag, haben Forscher um Richard Bachur von der Harvard Medical School in Boston in einer Beobachtungsstudie untersucht, an der 728 Kinder (im Median 12 Jahre alt) mit Verdacht auf Appendizitis beteiligt waren (J Pediatr 2015, online 21. Februar).

Bei 29 Prozent von ihnen wurde später eine Appendizitis pathologisch verifiziert.

Für die klinische Einschätzung bedienten sich die Forscher des Pediatric Appendicitis Score (PAS), der folgende Merkmale nach Punkten gewichtet: Appetitlosigkeit (1 Punkt); Übelkeit oder Erbrechen (1); Schmerzwanderung in den rechten unteren Quadranten (1); Fieber ≥ 38 °C (1); maximale Abwehrspannung im rechten unteren Quadranten (2); Schmerzen im rechten unteren Quadranten beim Hüpfen, Husten oder Perkutieren (2); Leukozytose ≥ 10.000/mm3 (1); ≥ 75 Prozent Neutrophile (1).

Ein Punktwert von 0 bis 3 gilt als niedriges, ein Wert von 4 bis 6 als mittleres und eine Punktzahl von 7 bis 10 als hohes Risiko für Appendizitis.

Die im PAS erreichten Punktwerte führten Bachur und Kollegen mit dem Sonografieergebnis (positiver, negativer, zweifelhafter Appendizitisbefund) zusammen.

Dabei zeigte sich, dass der negative Vorhersagewert der Sonografie mit steigenden PAS-Werten abnahm; er betrug 100 Prozent bei niedrigem, 94 Prozent bei mittlerem und 81 Prozent bei hohem Risiko laut PAS.

Umgekehrt stieg der positive Vorhersagewert von 73 über 90 auf 97 Prozent. Zweifelhafte Ultraschallresultate waren in 9, 13 und 47 Prozent der Fälle mit Appendizitis assoziiert.

"Auf der Grundlage dieser Ergebnisse schlagen wir vor, Patienten mit hohem Risiko gemäß PAS und negativer Sonografie sorgfältig zu überwachen", schreiben die Autoren.

Die Kinder sollten wahrscheinlich wiederholt untersucht werden und weiterer Bildgebung mit Ultraschall oder Computertomografie oder einer laparoskopischen Exploration zugeführt werden.

Ähnliches gelte für Kinder mit niedrigem PAS-Wert und positiver Sonografie, die womöglich nur bei Zunahme der klinischen Zeichen in weiteren Untersuchungen operiert werden sollten.

Kinder mit mittlerem Risiko und positivem Ultraschall sind Kandidaten für die Appendektomie, bei negativer oder zweifelhafter Sonografie kann man die Patienten beobachten.

Wiederholte körperliche Untersuchungen sind laut Aussage der Wissenschaftler besser als ein einmalig bestimmter PAS-Wert.

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