Ärzte Zeitung, 28.06.2006

Antikörper sind ein Ausweg bei Colitis ulcerosa

Wenn Standardmedikamente nicht wirken, bietet die Therapie mit Antikörpern noch Möglichkeiten

HANNOVER (grue). Patienten mit Colitis ulcerosa erhalten bei einem schweren Krankheitsschub meist Kortikosteroide. Einem Drittel von ihnen hilft dies aber nicht. Dann besteht die Möglichkeit, zu Immunsuppressiva oder zu monoklonalen Antikörpern zu wechseln.

Akute schwere Colitis ulcerosa: Die Darmschleimhaut ist rot mit flächenhaften Blutungen. Foto: Falk Foundatio

An Colitis ulcerosa erkranken hauptsächlich junge Erwachsene zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr. Etwa 170 000 Menschen in Deutschland haben diese Erkrankung. Besonders schwierig ist die Therapie bei steroidrefraktären Schüben. Bisher gibt es nur wenige Alternativen zur chirurgischen Entfernung der entzündeten Darmabschnitte.

"Kurzfristig wirken die Immunsuppressiva Ciclosporin A und Tacrolimus zwar recht gut, aber schließlich müssen doch etwa 40 Prozent der Patienten eine Kolektomie in Kauf nehmen", sagte Dr. Henrike Lenzen von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Eine neue Option ist der monoklonalen, gegen TNF-alpha gerichtete Antikörper Infliximab (Remicade®). Außer bei Morbus Crohn ist er jetzt auch zur Behandlung bei therapierefraktärer Colitis ulcerosa zugelassen.

"Der Antikörper ist eine Alternative besonders für Patienten mit mittelschwerer aktiver Colitis ulcerosa, die auf Standardmedikamente einschließlich Steroide und 6-Mercaptopurin oder Azathioprin nicht ansprechen oder für die eine solche Behandlung nicht infrage kommt", sagte die Gastroenterologin auf einer von der Falk Foundation unterstützten Veranstaltung in Hannover.

In Studien war Infliximab signifikant wirksamer als Placebo: Mehr Patienten kamen in Remission, und die Schleimhautläsionen heilten schneller.

    Mehrere Antikörper sind derzeit in der Entwicklung.
   

Bei akuter schwerer oder fulminanter Colitis ulcerosa war der Behandlungsvorteil, gemessen an der Zahl der Kolektomien, weniger deutlich. Solche Patienten können an der MHH in einer Studie mit dem noch nicht zugelassenen Antikörper Visilizumab behandelt werden. In die Studie werden Patienten aufgenommen, bei denen orale Steroide nicht wirken und die auch auf intravenöse Steroide nach fünf Tagen nicht angesprochen haben.

"Bei solchen Patienten gibt es mit dem humanisierten Anti-CD3-Antikörper innerhalb von zwei Wochen nach Einmalgabe Behandlungserfolge, die mehrere Monate anhalten", sagte Lenzen. Erfahrungsgemäß betragen die Ansprechraten 70 Prozent. Ein Drittel der Patienten kommt in Remission.

Antikörper-Therapien seien relativ gut verträglich. Es könnten aber Infusionsreaktionen auftreten, zudem bildet ein kleiner Teil der Patienten Antikörper gegen das Präparat. In Entwicklung sind derzeit auch die Antikörper Daclizumab und Basiliximab sowie neue Ansätze zur Leukozyten- und Granulozyten-Apherese.

Die MHH beteiligt sich an mehreren klinischen Studien zur CED-Therapie, Infos dazu unter Tel.: 05 11 / 5 32 31 60.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" ergeben. mehr »

ADHS-Arznei lindert Apathie bei Alzheimer

Eine Therapie mit Methylphenidat kann die Apathie bei Männern mit leichter Alzheimerdemenz deutlich zurückdrängen. mehr »

Zehn Jahre "jünger" durch Sport

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. mehr »