Ärzte Zeitung, 02.09.2009

Was tun bei Pouch-Beschwerden?

Etwa 500 bis 800 Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) erhalten in Deutschland pro Jahr einen Pouch. Der kann sich entzünden. Aber nicht alle Probleme am Pouch beruhen auf einer Pouchitis.

Von Philipp Grätzel von Grätz

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Bei Verdacht auf Pouchitis ist eine Endoskopie mit Biopsien im Pouch zum Nachweis der Entzündung angeraten.

Foto: Klaro

Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, vor allem mit Colitis ulcerosa, können durch eine Pouch-Operation weitgehend von ihren Beschwerden befreit werden. Bei dieser Operation wird nach Entfernung des chronisch entzündlichen Kolons eine Ileumschleife J-förmig an das Ende des Analkanals anastomosiert.

Doch nicht immer gelingt das ohne Komplikationen: Kommt es zu einer Pouchitis, können viele jener Symptome auftreten, die der Colitis-Patient vorher auch schon hatte: "Typisch sind flüssige Stühle und ein imperativer Stuhldrang. Auch rektale Blutungen und Krämpfe kommen vor", sagte Professor Wolfgang Kruis von der Abteilung Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Kalk. Etwa jeder dritte Pouch-Patient hat zumindest einmal eine derartige Episode. Bei jedem Zehnten träten die Probleme häufiger auf oder würden sogar chronisch, betonte der Gastroenterologe bei einer Veranstaltung in Berlin.

Weil die Pouchitis also nicht gerade selten ist, sollte der Arzt über Präventivmaßnahmen nachdenken. Kruis empfiehlt dazu vor allem Probiotika in der VSL#3®-Mischung, die unter anderem Milchsäurebakterien, Bifidobakterien und Streptococcus salivarius enthält. "Diese Therapie ist evidenzbasiert. Sie ist aber weder zugelassen noch erstattungsfähig", sagte Kruis.

Liegt bereits eine akute Entzündung vor, ist eine Antibiotika-Therapie indiziert. "Für Metronidazol und Ciprofloxacin gibt es hier die besten Daten", betonte der Gastroenterologe. Wichtig dabei sei eine ausreichend hohe Dosierung: Bei Metronidazol werden 20 mg pro Kilogramm Körpergewicht dreimal am Tag empfohlen. Bei Ciprofloxacin sind es 1000 mg pro Tag, jeweils über zwei Wochen.

Bei einer Antibiotika-refraktären Pouchitis lohne ein Therapieversuch mit Budesonid oral, sagte der Gastroenterologe. Auch die Kombination aus oraler und rektaler Gabe sei möglich. Für beides gibt es aber bisher nur sehr kleine Studien.

Vor Therapiebeginn ist in jedem Fall die exakte Diagnose wichtig: "Eine Endoskopie mit Biopsien im Pouch sollte man zum Nachweis einer Entzündung schon machen", so Kruis. Denn nicht alle Pouch-Probleme sind Folge einer Pouchitis. Differenzialdiagnostisch kommen unter anderem Anastomosenstrikturen, Fisteln oder ein Gallensäuremalabsorptionssyndrom in Frage.

Auch eine so genannte Cuffitis gilt es auszuschließen. Dabei handelt es sich um ein Rezidiv der Colitis ulcerosa in der Rektumschleimhaut, die wegen der Anastomosierung nicht komplett entfernt werden kann. Bei den davon betroffenen Patienten müsste dann in Richtung Colitis ulcerosa therapiert werden.

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