Ärzte Zeitung, 30.09.2011

Gewünscht: lokale Betreuungsnetze mit Fallkonferenzen

Für CED-Kranke gibt es an den Schnittstellen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung sowie Reha deutliche Reibungsverluste.

LEIPZIG (ner). Die Leitlinien zur Therapie von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden in Deutschland nicht flächendeckend umgesetzt. Dies geht aus Erhebungen des Berufsverbandes Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (bng) und des Kompetenznetzes Darmerkrankungen hervor.

Die unbefriedigende Situation werde auch in Studien dokumentiert, so Dr. Bernd Bokemeyer aus Minden, Vorstandsvorsitzender des Kompetenznetzes bei einer Pressekonferenz des Kompetenznetzes und der DCCV (Deutsche Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung) zum Crohn & Colitis Tag 2011.

Besonders an den Schnittstellen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung sowie Rehabilitation gibt es deutliche Reibungsverluste. Der Wechsel von Crohn- und Colitis- Patienten zwischen den einzelnen Sektoren ist oft mit einem deutlichen Bruch der Behandlung verbunden. Die Folge davon sind unter anderem unnötige Umstellungen in der Therapie und Doppeluntersuchungen.

"Betroffene müssen oft genug selber dafür sorgen, dass Untersuchungsergebnisse weitergegeben werden, Kommunikation stattfindet und gemeinsame Behandlungsstrategien verfolgt werden", kritisierte Birgit Kaltz von der DCCV.

DCCV hat Versorgungskonzept entwickelt - angepasst an die Erkrankungsschwere

Mitglieder des Kompetenznetzwerkes und der DCCV haben gemeinsam ein dreischichtiges und stufenweises Versorgungskonzept, angepasst an die Erkrankungsschwere, entwickelt.

Demnach werden Patienten mit leichtem Verlauf beim Hausarzt oder hausärztlichen Internisten behandelt. "Die Mehrzahl der CED-Patienten dürfte in die zweite Behandlungsebene der gastroenterologischen Fachpraxen fallen", so Bokemeyer. Bei schwerer Erkrankung seien spezialisierte Zentren und Schwerpunktpraxen gefragt.

Aus diesen drei Behandlungspfaden soll möglichst ein CED-Netzwerk geknüpft werden, innerhalb dessen die Therapie abgestimmt wird.

Dieses Betreuungskonzept ist in einer Musterregion in Schleswig- Holstein evaluiert worden. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet. Schon jetzt ist aber klar, dass streng definierte Betreuungszuständigkeiten auch zu Konflikten führen.

Bokemeyer sprach sich daher für lokale CED-Betreuungsnetze mit interdisziplinären CED-Fallkonferenzen aus, womöglich in Verbindung mit einer gemeinsamen Basisdokumentation. Gelöst werden müsse zudem noch die offene Frage der adäquaten Honorierung solcher Leistungen. Eine gute CED-Versorgung dürfte sich auch volkswirtschaftlich günstig auswirken, argumentierte Bokemeyer.

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