Ärzte Zeitung online, 18.06.2010

Im Ultraschall entdeckt: Fistel verbindet Gallenblase und Darm

Fachgesellschaft rät bei akuten Bauchbeschwerden zunächst zur Sonografie

HAMBURG (eb). Ultraschalluntersuchungen ermöglichen die Diagnose von unerkannten Ursachen lebensgefährlicher Erkrankungen im Bauchraum. Dazu gehören auch seltene Ursachen für akute Schmerzen im Bauchraum wie zum Beispiel ein Dünndarmverschluss durch Gallensteine.

Im Ultraschall entdeckt: Fistel verbindet Gallenblase und Darm

Bei akuten Bauchbeschwerden ist ein Ultraschall angezeigt.

© GE Healthcare

Ein kürzlich publizierter Fallbericht unterstreicht nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) die Bedeutung der Sonografie in der Notfallmedizin: Eine 72-jährige Frau litt knapp eine Woche unter Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen und ausbleibendem Stuhlgang. Die Ärzte am Klinikum St. Salvator in Halberstadt vermuteten ein sogenanntes "Akutes Abdomen": eine potenziell lebensbedrohliche Situation.

Eine Ultraschalluntersuchung deckte rasch die Ursache der Beschwerden auf. Privatdozent Steffen Rickes, Chefarzt der Medizinischen Klinik des Klinikums, stellte Gase in den Gallengängen der Leber fest: "Sie konnten nur aus dem Darm stammen. Doch in der natürlichen Verbindung zwischen Gallenblase und Darm war keine Luft zu erkennen”, erläutert Rickes in einer Mitteilung der DEGUM.

Gallensteine blockierten den Dünndarm

Bei der weiteren Suche mit dem Schallkopf stieß er außerdem auf eine Fistel, eine krankhafte Verbindung zwischen Gallenblase und Darm. Das Ultraschallbild zeigte: Über die Fistel waren Gallensteine in den Dünndarm gelangt, die diesen blockierten. Die Kollegen entschieden schnell und operierten sofort. Sie konnten die Patientin schließlich retten.

Ohne rechtzeitige Behandlung endet ein Darmverschluss durch Gallensteine in einem von zehn Fällen tödlich. "Dieser Fall bestätigt uns darin, bei akuten Bauchbeschwerden zunächst eine Sonografie vorzunehmen", betont auch DEGUM-Vorstand Dr. Hans Peter Weskott. Der frühzeitige Einsatz des Ultraschalls ermögliche eine zuverlässige Diagnose und damit ein rasches chirurgisches Eingreifen bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung wie dieser. "Jede Zeitverzögerung wirkt sich hier negativ auf die Prognose des Patienten aus", ergänzt Weskott. Vielen Patienten würden außerdem eine Darmspiegelung oder andere belastende Untersuchungen erspart.

Gesellschaft bietet auch Sono-Fortbildungen an

Ultraschalluntersuchungen sind in vielen medizinischen Fachgebieten das bildgebende Verfahren der Wahl. Auch in der Notfallmedizin kommt die Sonografie immer häufiger zum Einsatz, denn sie liefert - wenn nötig direkt am Bett - rasch und sicher ein Ergebnis und lässt sich ohne Nebenwirkungen beliebig oft wiederholen.

Die DEGUM weist auf eine notwendige Qualifikation des Anwenders hin. Die Gesellschaft bietet dazu im Rahmen ihres Drei-Stufenkonzeptes zertifizierte Fortbildung für sonografierende Ärzte aller Fächer an.

www.degum.de

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