Ärzte Zeitung, 07.06.2005

KOMMENTAR

Erst die Diagnose, dann die Therapie!

Von Gabriele Wagner

"Vor die Therapie hat der liebe Gott die Diagnose gestellt!" Diesen Leitsatz kriegen Medizinstudenten spätestens eingebläut, wenn sie an die Krankenbetten dürfen. Und der gilt natürlich auch bei einem so häufigen Symptom wie Sodbrennen.

Nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) ist "auch bei eindeutiger Refluxsymptomatik und fehlenden Alarmsymptomen eine frühe Endoskopie zu empfehlen, desgleichen, wenn eine Refluxerkrankung differentialdiagnostisch in Erwägung gezogen wird" (Z Gastroenterol 43, 2005, 163).

Genauere Angaben, etwa zu Risikopersonen oder zum genauen Zeitpunkt der Endoskopie, werden im Leitlinien-Papier zwar nicht gemacht. Aber nicht wenige Gastroenterologen halten eine probatorische Therapie mit Protonenpumpenhemmern nur einmalig und bei unter 30jährigen Patienten mit Reflux-Beschwerden für gerechtfertigt und raten vor weiteren Therapie-Entscheidungen zur Endoskopie.

Zwar gehören Magenspiegelungen nicht unbedingt zu den bei Patienten beliebten Untersuchungen. Aber viele Endoskopiker bieten Beruhigungsspritzen an. Und die Spiegelung dauert meist nur wenige Minuten. Minuten, die aber Leben retten können, wenn ein Karzinom früh entdeckt wird. Deshalb: Erst die Diagnose, dann die (Reflux)-Therapie!

Lesen Sie dazu auch:
Sodbrennen? Dann ist Endoskopie wichtig

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