Ärzte Zeitung, 25.09.2012

Helicobacter pylori

Plädoyer fürs Testen und Behandeln

Soll bei einem Patienten ohne Beschwerden Helicobacter pylori eradiziert werdem? Eher ja, sagen Experten. Bei Risikopatienten lohnt sogar die aktive Suche.

Helicobacter pylori: Plädoyer fürs Testen und Behandeln

H. pylori: Testen, testen, testen.

© MichaelTaylor / shutterstock

HAMBURG (gvg). Helicobacter pylori existiere weiter, auch wenn mittlerweile weniger darüber gesprochen werde, sagt Professor Peter Malfertheiner vom Uniklinikum Magdeburg.

Aktuelle Zahlen hat er bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) vorgestellt.

Zwar sei die Durchseuchung bei Kindern in Deutschland mit derzeit 6 bis 10 Prozent eher rückläufig. Jenseits des 40. Lebensjahrs sind aber weiterhin etwa 40 Prozent der Bevölkerung H.-pylori-positiv.

Wie werden symptomfreie Patienten mit Helicobacter pylori auffällig? Manche Vorsorgen enthalten eine Helicobacter-Serologie. Hier muss bei positivem Ausgang eine aktive Infektion allerdings noch durch einen Atemtest oder eine Endoskopie mit Ureaseschnelltest bestätigt werden.

Einige Dermatologen suchen im Rahmen allergischer Hauterkrankungen nach dem Keim. Häufig ist es auch ein akzidenteller Befund bei einer Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD) aus anderem Grund.

Nur: Was tun, wenn die Patienten zwar einen positiven Test, aber keine Magenbeschwerden haben?

Weniger Magen-Ca nach Screening

"Generell ist ein H.-pylori-Nachweis gleichbedeutend mit chronisch-aktiver Gastritis. Dafür braucht es keinen histologischen Beweis", so Malfertheiner. Und weil eine chronische Gastritis das Magenkrebsrisiko stark erhöht, sieht er die Indikation zur Eradikation mit dem Helicobacter-Nachweis im Prinzip gegeben.

Wichtig: "Wer eine Eradikation vornimmt, sollte den Erfolg dann auch mit einem Atemtest kontrollieren."

Auch nach Helicobacter im Rahmen eines Screenings zu suchen, kann sinnvoll sein. Eine aktuelle Studie aus Südkorea hat das eindrucksvoll gezeigt. Dort wurden vor einigen Jahren im Rahmen eines Massenscreenings über 5000 Menschen diagnostiziert und behandelt.

Innerhalb von acht Jahren fiel die Inzidenz des Magenkarzinoms in der Region um ein Viertel (Gut 2012; online 14. Juni).

In Deutschland empfiehlt Malfertheiner, bei speziellen Risikopatienten aktiv nach Helicobacter zu suchen. Das sind vor allem Patienten, bei denen eine Langzeittherapie mit einem NSAR oder einem Protonenpumpenhemmer ansteht.

Auch Angehörige ersten Grades von Patienten mit Magenkarzinom sollten auf Helicobacter gescreent werden, so der Experte.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »