Ärzte Zeitung online, 09.12.2008

Patientenbeauftragter fordert Rücknahme von Zappelphilipp-Mittel

MAINZ (dpa). Der Patientenbeauftragte des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Krankenkassen, Jörg Schaaber, hat dem ZDF zufolge eine Marktrücknahme des Zappelphilipp-Medikaments Atomoxetin gefordert. Das Mittel werde "im Prinzip bei gesunden Kindern" eingesetzt, weil diese hyperaktiv seien und sich schlecht konzentrieren könnten.

"Das hat aber oft keinen Krankheitswert, ist nur nervig für die Umwelt", sagte Schaaber dem ZDF-Magazin "Frontal 21" (Dienstag). Die Behandlung von Kindern mit einem so starken Medikament, das auch noch schwerwiegende Nebenwirkungen haben könne, stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Laut "Frontal 21" führt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn eine Liste mit gegenwärtig 234 Verdachtsfällen zum Teil gefährlicher Nebenwirkungen des Mittels, darunter auch 4 Todesfälle. Der Hersteller Eli Lilly habe sich auf ZDF-Anfrage zu den Nebenwirkungen nicht geäußert.

Strattera® (Wirkstoff Atomoxetin) war vor vier Jahren zur Behandlung von Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität (ADHS) zugelassen worden. Knapp ein Jahr später musste das Mittel mit einem Warnhinweis vor Selbstmordgedanken versehen werden. Kinder, die mit dem Medikament behandelt werden, müssen demnach sorgfältig auf Verhaltensänderungen beobachtet werden.

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