Ärzte Zeitung online, 09.12.2008
 

Bundesinstitut bestätigt vier Todesfälle durch Strattera® nicht

BONN (dpa). Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn kann Berichte nicht bestätigen, dass es im Zusammenhang mit dem Zappelphilipp-Mittel Strattera® vier Todesfälle gegeben hat. Woher das ZDF-Magazin "Frontal 21" die Zahl vier habe, sei nicht klar, sagte ein BfArM-Sprecher am Dienstag auf Anfrage.

Es gebe in Deutschland einen Selbstmord eines 16-Jährigen, bei dem ein Zusammenhang mit der Einnahme des Mittels nicht ausgeschlossen werden könne. Dem Fernsehmagazin liegen nach eigenen Angaben interne BfArM-Unterlagen vor, denen zufolge es 234 Verdachtsfälle von zum Teil gefährlichen Nebenwirkungen in Zusammenhang mit dem Medikament gab. Laut der Behörden-Liste seien vier Kinder gestorben, hatte das ZDF-Magazin am Montag mitgeteilt.

Die Zahl von 234 Verdachtsfällen teils gefährlicher Nebenwirkungen treffe zu, sagte der BfArM-Sprecher. Bis auf den einen Fall gebe es in Deutschland aber keine Hinweise auf Todesfälle. Aber auch in diesem einen Fall sei ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Medikament nicht belegt. Aus den USA gebe es Berichte über den Tod eines dreijährigen Kindes. Der Fall sei aber schlecht dokumentiert.

Der in der Sendung erwähnte Fall eines Fünfjährigen, der im Zusammenhang mit dem Mittel einen Herzinfarkt erlitten habe, habe in der Datenbank nicht ermittelt werden können, sagte der Sprecher. Über den erwähnten Gehirnschlag eines Zwölfjährigen lägen aus dem Ausland Informationen vor. Der Hirnschlag sei nicht tödlich verlaufen.

Das BfArM ist die deutsche Zulassungsbehörde für Arzneimittel.

Lilly Deutschland weist Vorwürfe zurück, das Medikament werde bei gesunden Kindern eingesetzt

Das Pharma-Unternehmen Lilly hat Kritik an seinem Zappelphilipp-Medikament Strattera zurückgewiesen. Die Aussage, Strattera werde "im Prinzip bei gesunden Kindern" eingesetzt, sei falsch, erklärte Lilly Deutschland am Dienstag in Bad Homburg. Ein Arzt müsse vor der Behandlung die Diagnose ADHS (Hyperaktivität) treffen. Außerdem sei das Medikament Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms.

Der Patientenbeauftragte des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Krankenkassen, Jörg Schaaber, hatte zuvor laut ZDF eine Marktrücknahme des Medikaments gefordert (wie berichtet).

Zu Vorwürfen, unter 234 gesammelten Verdachtsfällen von zum Teil gefährlichen Nebenwirkungen seien auch 4 Todesfälle, betonte das Unternehmen, "dass kein Todesfall eines Kindes in Deutschland bekannt ist, der in ursächlichem Zusammenhang mit Strattera steht".

Das Medikament mit dem Wirkstoff Atomoxetin war vor vier Jahren zur Behandlung von Kindern mit ADHS zugelassen worden. Knapp ein Jahr später musste das Mittel mit einem Warnhinweis vor Selbstmordgedanken versehen werden. Kinder, die mit dem Medikament behandelt werden, müssen demnach sorgfältig auf Verhaltensänderungen beobachtet werden.

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