Ärzte Zeitung online, 24.08.2009

Betreuung in der Familie zeigt bei ADHS gute Erfolge

Kindern mit einer Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), die delinquent geworden sind, kann durch eine Frühintervention zu Hause geholfen werden.

Von Ingeborg Bördlein

Betreuung in der Familie zeigt bei ADHS gute Erfolge

Viele delinquente Jugendliche leiden an ADHS.

Foto: dpa

MANNHEIM. In einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt namens "Zappelphilipp", das die Mannheimer Polizei und das dortige Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) gemeinsam entwickelt haben, konnte die Symptomatik der ADHS wie Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsprobleme, und das Sozialverhalten - besonders das aggressive und oppositionelle Verhalten - signifikant gebessert werden. Nach der erfolgreichen Pilotphase soll nun in einer weiteren randomisierten Studie "Zappelphilipp II" geklärt werden, ob das Hometreatment mit 18 Familiensitzungen in vier Monaten herkömmlichen Interventionsstrategien wie einer monatlichen Beratung ebenbürtig oder sogar überlegen ist, wie der Projektleiter Dr. Gerhard Ristow vom ZI in Mannheim angekündigt hat.

Ausgangspunkt des Modellprojekts war eine Untersuchung am Mannheimer Polizeipräsidium, wonach 60 Prozent der jugendlichen Intensivtäter eine ADHS aufwiesen. Delikte waren vor allem Gewaltanwendung und Sachbeschädigung, aber auch Diebstähle.

Mit dem Ziel, möglichst frühzeitig therapeutisch einzugreifen, wurde das bundesweit beachtete Kooperationsprojekt "Zappelphilipp" im Jahr 2006 von Polizei und Psychiatrie ins Leben gerufen. 41 Familien delinquenter Kinder (vor allem Jungen) im Alter zwischen acht und 13 Jahren erklärten sich zur Teilnahme bereit, 24 absolvierten das gesamte pädagogisch-therapeutische Programm. 18 Sitzungen wurden im häuslichen Umfeld der Kinder vorgenommen. Dabei wurden sogenannte "Basics" vereinbart wie etwa gemeinsame Hausregeln. Das gegenseitige Wahrnehmen von Verhalten in der Familie wurde in Rollenspielen geschult. Eltern wurden dazu angehalten, nicht nur zu tadeln und zu reglementieren, sondern auch zu loben. Kinder lernten, besser mit ihren Gefühlen wie Wut umzugehen. Alle Kinder wurden auch medikamentös behandelt.

In der Fremd- und Selbstbeurteilung zeigte sich im Behandlungsverlauf eine deutliche Reduktion der ADHS-Symptome wie Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörung und Impulsivität. Ebenso besserte sich das Sozialverhalten. "Insgesamt haben die Kinder über alle erhobenen kinder- und jugendpsychiatrischen Störungsmerkmale hinweg profitiert", erklärte der Ärztliche Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am ZI, Dr. Tobias Banaschewski, "am deutlichsten in den Bereichen Aufmerksamkeitsstörung, anti-soziales und aggressives Verhalten".

Das erfolgreiche Projekt kann dank großzügiger Unterstützung der Fördergemeinschaft Rotary, der Robert-Bosch-Stiftung und der Stadt Mannheim nun weiter fortgeführt werden. In der Folgestudie wird eine Randomisierung vorgenommen, um den Effekt des Hometreatments im Vergleich zu einer alleinigen Beratung in einer Kontrollgruppe zu überprüfen.

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