Ärzte Zeitung, 17.12.2012

Kommentar

ADHS ernst nehmen!

Von Thomas Müller

Man mag zu ADHS stehen, wie man will, die Therapie mit Medikamenten verdammen und auf Psychotherapie setzen, oder auch umgekehrt - nur eines sollte man nicht: die Störung als Kinderkrankheit verharmlosen, die sich irgendwann von selbst auswächst.

Denn nach aktuellen US-Langzeitdaten stellt man zwar bei den meisten Betroffenen im Erwachsenenalter nicht mehr die typischen ADHS-Symptome fest, aber viele bleiben den Rest ihres Lebens durch die Erkrankung gezeichnet.

Die Rate psychischer Störungen ist um das Dreifache erhöht, die für Scheidungen und Gefängnisaufenthalte ebenfalls. Es scheint so, als bekommen ehemalige ADHS-Kranke ihr Leben häufig nicht in den Griff.

Man könnte nun einwenden, dass es keine Langzeitdaten gibt, die zeigen, ob eine erfolgreiche Therapie an dieser Prognose etwas ändert, plausibel wäre dies allerdings schon.

Wer seine Schul- und Berufsausbildung aufgrund eines ADHS in den Sand setzt, hat nun einmal eine schlechtere Startposition. Ärzte und Eltern tun also gut daran, ADHS nicht nur als Modediagnose zu sehen.

Die Namen für einige Störungen mögen sich im Laufe der Zeit zwar ändern, dies sollte Ärzte und Therapeuten aber nicht davon abhalten, die Probleme der jungen Patienten ernst zu nehmen.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
ADHS als Kind: Ein ganzes Leben voller Probleme

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