Ärzte Zeitung, 27.07.2005

Deutsche rechnen mit Anschlag auch bei uns

Wirtschaftspsychologe sieht aber weder Panik noch ein Abstumpfen der Gesellschaft

POTSDAM/HAMBURG (dpa). Nach den jüngsten Terror-Anschlägen in Großbritannien und Ägypten sind die Deutschen nach Ansicht des Potsdamer Psychologen Gerd Reimann auf Attentate auch hier zu Lande gefaßt. "Insgesamt rücken solche Ereignisse näher. Das wird den Leuten bewußt", sagte Reimann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

"Man spricht über die Ereignisse, man schließt sie nicht mehr aus", faßt der Potsdamer Psychologe seine Erfahrungen zusammen. Für die Menschen sei es "im Prinzip eine Frage der Zeit, wann wir auch hier betroffen sein werden."

Das gehe so weit, so Reimann, daß viele Menschen Vermutungen anstellten, wo in Deutschland Anschläge passieren könnten.

Dennoch: "Ich sehe bei uns keine Panik", sagte Reimann. "Es ist schon eine Angst da, daß es passieren könnte, aber auch das Vertrauen, daß die öffentlichen Stellen die Situation relativ gut im Griff haben."

Im Alltag ändere sich nichts, hat Reimann beobachtet. "Die Einzelperson kann sich auf Anschläge nicht vorbereiten", sagte der Psychologe. Die Menschen verfolgten aber bewußter die Nachrichten und nähmen sensibler wahr, was Innenminister Otto Schily (SPD) oder andere Experten über die Gefährdungslage in der Bundesrepublik zu sagen haben.

Ein Abstumpfen der Gesellschaft angesichts der vielen Terror-Meldungen sieht Reimann nicht: "Die Nachrichten, die wir aus England oder anderswo bekommen, wirken einem Abstumpfen eher entgegen. Eher wird man sensibler."

Auch ein Umschlagen auf Fremdenhaß sei nicht zu beobachten: "Das sehe ich bei uns zum Glück nicht. Ich glaube nicht, daß von unserer Bevölkerung ein Pauschalurteil abgegeben wird." In Deutschland sei dafür zu viel Aufklärung betrieben worden, sagte der Wirtschaftspsychologe, dessen Firma unter anderem Sicherheitskonzepte für Entführungsfälle erarbeitet.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wer viel Wasser trinkt, beugt Harnwegsinfekten vor

Den Ratschlag, viel zu trinken, sollten sich Frauen nicht nur während eines Harnwegsinfektes zu Herzen nehmen. Auch wer danach reichlich Wasser trinkt, profitiert davon. mehr »

In der Praxis oft auch knifflige AU-Fälle

Die Regeln, wie und wann ein Arzt einen Patienten krankschreiben darf, sind in der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie festgehalten. In der Praxis gibt es jedoch viele knifflige Fälle. mehr »

Handlungsbedarf bei Chronikerpauschale!

Die Chronikerzuschläge für Hausärzte bleiben eine der dringendsten Hausaufgaben für die Selbstverwaltung. Es wird Zeit, die alten bürokratischen Zöpfe abzuschneiden, meint unser Abrechnungsexperte. mehr »