Ärzte Zeitung, 06.02.2004

Neues Mittel gegen Akromegalie blockiert das Wachstumshormon

Therapieoption, wenn Operationen oder Strahlentherapien nicht weiterhelfen

WOLFSBURG (grue). Mit Pegvisomant steht jetzt ein neuer Wirkstoff zur Second-Line-Therapie bei Akromegalie zur Verfügung. Der GH-Rezeptor-Antagonist blockiert die Wirkung des Wachstumshormons und lindert die Akromegalie-Symptome wie Schwitzen und Weichteilschwellungen.

Pegvisomant (Somavert®) ist ein Derivat des natürlichen Wachstumshormons (GH) mit verlängerter Halbwertszeit. Es wird einmal täglich subkutan injiziert und bindet selektiv an die GH-Rezeptoren im Gewebe.

Im Gegensatz zu anderen Akromegalie- Medikamenten blockiert der Antagonist somit nicht die Ausschüttung des Wachstumshormons aus dem Hypophysenadenom, sondern die GH-Wirkung an den Zielzellen und die Bildung von IGF-I (Insulin-like Growth Factor). Erhöhte IGF-I- Spiegel führen zu Folgekrankheiten der Akromegalie wie Herzfunktionsstörungen, Neoplasien und Vergrößerung der Schilddrüse.

Wie Dr. Burkhard Herrmann von der Universität Essen auf einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer in Wolfsburg berichtete, normalisieren sich unter einer Therapie mit Pegvisomant die IGF-I-Spiegel, und die Symptomatik bessert sich. "Die belastenden Beschwerden wie übermäßiges Schwitzen und Weichteil-ödeme lassen rasch nach", sagte der Endokrinologe. In kontrollierten Studien über zwölf Wochen wirkte die Behandlung bei 89 Prozent der Patienten sowie in einer Langzeitstudie über eineinhalb Jahre bei 97 Prozent.

Auch sechs Patienten, denen hochdosierte Somatostatin-Analoga wie Octreotid nicht geholfen hatten, hatten mit Pegvisomant normale IGF-I- Werte. "Der neue Wirkstoff ist eine Therapieoption für Patienten, die operativ, strahlentherapeutisch oder mit bisherigen Medikamenten nicht ausreichend behandelt werden können", sagte Herrmann. Er behandelt derzeit sieben Patienten mit dem neuen Medikament. Sie hätten damit binnen vier bis acht Wochen normale IGF-I-Spiegel erreicht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »